Leserbrief an die Wetterauer Zeitung

zu: WZ Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP vom 12. Oktober 2010

Dass die Wiesengasse in Echzell schon seit über einem Jahr „überwacht“ wird und nicht erst seit dem Video Anfang Juli im Internet, ist den polizeilichen Behörden durchaus auch bekannt. Wobei hier statt überwacht auch eher der Begriff „überwacht und kontrolliert“ zu verwenden ist. Denn es ist eine Person, die der rechten Szene nachweislich zuzuordnen ist, die dies tut. Nun, und der andere Nachbar überwacht sein eigenes Haus und dessen Eingang weil er berechtigterweise Angst hat und sich außerdem bedroht fühlt. Wer die Ereignisse in der Wiesengasse in der Vergangenheit verfolgt, hat kann das sicherlich nachvollziehen …

Dass der Artikel mit „Nachbarschaftsstreit“ titelt, ist schon fast unverschämt. Denn der Hintergrund der ganzen Überwachung sind ganz klar die „rechten Aktivitäten“ in der Wiesengasse – im Übrigen sollte dies dem RP schon längst bekannt sein. Ich denke, die allgemeine Problematik der Überwachung des öffentlichen Raums ist hier in diesem konkreten Fall nicht das vorrangige Problem. So wird es allerdings in dem Artikel suggeriert.

Das Video selbst sollte doch auch ausreichend Nachweis des Missbrauchs und Verstoßes gegen die gültigen Datenschutzbestimmungen sein. Warum da die Frage nach einer evtl. Attrappe oder die Frage, „ob nur beobachtet wird“ – was soll das ? Und dann noch das Hin- und Herschieben der Zuständigkeiten und Kompetenzen …

Und wenn, wie in dem Artikel, von „mutmaßlich rechtsradikalen Gästen“ gesprochen wird, dann ist das wider besseren Wissens !

Letztendlich stellt sich doch die Frage, wie lange das noch so weiter gehen soll, bis hier tatsächlich eingegriffen wird.

Vielleicht sollte sich Frau Hillenbrand-Beck einmal selbst vor Ort von der Situation ein Bild machen und den RP gleich mitbringen.

Ich lade beide herzlich dazu ein !

Manfred Linss, Echzell

2. Vorsitzender Grätsche gegen Rechtsaußen e.V. i.G.

 

Lesen Sie hier den Artikel: WZ Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP vom 12. Oktober 2010 

Frankfurter Neue Presse – Jetzt grätscht ein Verein gegen Rechts Echzell

22 Gründungsmitglieder riefen jetzt in Echzell den Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins «Grätsche gegen Rechtsaußen» ins Leben. Vorausgegangen war eine Bürgerinitiative gleichen Namens, die sich im Herbst 2009 organisierte, als sich rechtsextreme Übergriffe einer bekannten Neonazi-Gruppierung ausbreiteten.

Der Verein will Bildungs- und Freizeitangebote schaffen, Aufklärungsarbeit leisten und den Dialog zwischen Bürgern, aber auch zwischen Wetterauer Gemeinden herstellen und fördern. Daher kamen zahlreiche Bürger aus umliegenden Gemeinden, um ihre Unterstützung zu demonstrieren.

Der Fokus liegt auf der Vernetzung Wetterauer Bündnisse, Parlamente und Bürger, um sich verstärkende rechtsextreme Tendenzen zu verhindern. Unter http://www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de lassen sich Infos und der Mitgliedsantrag finden. 

© 2010 Frankfurter Neue Presse

Wetterauer Zeitung – Bürgerinitiative nun Verein gegen Rechts

Von 22 Mitgliedern ins Leben gerufen — Ziel: Demokratisches Miteinander fördern

(pm/dab). Von der Bürgerinitiative zum Verein: Am Montag ist in Gettenau der »Verein zur Förderung demkratischen Bewusstseins – Grätsche gegen Rechtsaußen« von 22 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen worden.Vorsitzende ist Olivia Bickerle, ihr Stellvertreter Manfred Linss. Das teilte der Verein jetzt per Pressemeldung mit.

Vorausgegangen war eine Bürgerinitiative gleichen Namens. Sie hatte sich im Herbst 2009 organisiert, »als sich rechtsextreme Übergriffe und Provokationen einer wetterauweit bekannten Neonazi-Gruppierung in Schnell ausbreiteten, so der Verein weiter »Diese rassistisch motivierten und gewalttätigen Tendenzen sind seitdem ständiges Thema in der Dorfgemeinsehaft Echzells, werden aber oft noch nicht als das gesehen, was sie sind, vor allem eine Gefahr für Kinder und Jugendliche, die wenig Alternativen haben, ihre Freizeit zu gestalten, und somit besonders gefährdet sind, in neonazistische Strukturen abzurutschen«, beschreibt der Verein den Hintergrund.»Grätsche gegen Rechtsaußen« wolle deshalb Bildungs- und Freizeitangebote schaffen, Aufklärungsarbeit leisten und den Dialog zwischen den Bürgern, aber auch zwischen den Wetterauer Gemeinden herstellen und fördern. »Nur gemeinsam, demokratisch und objektiv lässt sich ein tolerantes und bunt gemischtes Miteinander in der Wetterau gestalten.«

Am ‚Montag kamen auch zahlreiche Bürger aus den umliegenden Gemeinden nach Geltenau. Außerdem hatten die Bürgermeister der Nachbarkommunen Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt im Vorfeld ihre zukünftige Unterstützung bekundet. Echzells Bürgermeister Dieter Müller Stand bei der Vereinsgründung als Versammlungsleiter zur Verfügung.

Alle Gründungsmitglieder unterschrieben die zuvor abgesegnete Satzung des Vereins, dessen vorrangiges Ziel es sein soll, das demokratische Miteinander zu fördern. Der Fokus liege auf der Vernetzung der Wetterauer Bündnisse, Parlamente und Bürger, um die »sich verstärkenden rechtsextremen Tendenzen in der gesamten Wetteraus zu verhindern, heißt es weiter. Außerdem sei der Verein gemeinnützig und parteipolitisch unabhängig.

Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen, Vorsitzende Olivia Bickerle, VizeVorsitzender Manfred Linss (Gemeindevorstandsmitglied der Grünen), Kassenwart Kurt Bühl, Schriftführerin Sabrina Lausten Pressereferentin Elena Stoll, Kassenprüfer Martina Schubert und Peter Kruse. 

© Wetterauer Zeitung 06.10.2010

 

Einladung zur Gründungsversammlung des Vereins – Grätsche gegen Rechtsaußen

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins 


am Montag den 4. Oktober 2010 um 19:30 Uhr im „Stern“, in 61209 Echzell / Gettenau, Ringstraße 7

Tagesordnung:
1. Begrüßung Olivia Bickerle / Manfred Linss
2. Vorstellung der Satzung des Vereins Kurt Rühl
3. Wahl des Vereinsvorstandes
4. Festlegung weitere Funktionen und Aufgaben
5. Verschiedenes

Moderation und Leitung der Versammlung: Olivia Bickerle und Manfred Linss 
Schriftführer: Kurt Rühl
Während der Versammlung liegt eine Liste aus in der sich die „Gründungsmitglieder“ eintragen können.

NAZIS HABEN KEINEN ZUTRITT
Die VeranstalterInnen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die der rechten Szene zuzuordnen sind oder in der Vergangenheit durch rechte Äußerungen aufgefallen sind, den Zutritt zu verwehren (nach §6VersG). Des Weiteren ist das Filmen und Fotografieren ohne Genehmigung untersagt.

 

 

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Vereinsgründung Grätsche gegen Rechtsaußen

Vereinsgründung Grätsche gegen Rechtsaußen

– Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins

Am Montag, den 04. Oktober 2010, wurde in Echzell-Gettenau der Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins „Grätsche gegen Rechtsaußen“ von 22 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.

Vorausgegangen war die Bürgerinitiative gleichen Namens, die sich im Herbst 2009 organisierte, als sich rechtsextreme Übergriffe und Provokationen einer wetterauweit bekannten Neonazi-Gruppierung in Echzell ausbreiteten.

Diese rassistisch motivierten und gewalttätigen Tendenzen sind seitdem ständiges Thema in der Dorfgemeinschaft Echzells, werden aber oft noch nicht als das gesehen, was sie sind: Vor allem eine Gefahr für Kinder und Jugendliche, die wenig Alternativen haben, ihre Freizeit zu gestalten und somit besonders gefährdet sind, in neonazistische Strukturen abzurutschen.

Der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ möchte deshalb Bildungs- und Freizeitangebote schaffen, Aufklärungsarbeit leisten und den Dialog zwischen einzelnen BürgerInnen, aber auch zwischen den vielen Wetterauer Gemeinden herstellen und fördern.

Auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt bekundeten bereits im Voraus ihre zukünftige Unterstützung. Der Echzeller Bürgermeister Dieter Müller stand bei der Vereinsgründung als Versammlungsleiter zur Verfügung.

Der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ ist gemeinnützig, parteipolitisch unabhängig und alle Mitglieder helfen ehrenamtlich. Gezielter Fokus liegt auf der Vernetzung der Wetterauer Bündnisse, Parlamente und BürgerInnen, um die sich verstärkenden rechtsextremen Tendenzen in der gesamten Wetterau zu verhindern. Der Verein freut sich über weitere tatkräftige Vereinsmitglieder. Unter www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de lassen sich weitere Informationen und der Mitgliedsantrag finden.

 

Vereinsvorstand:

Erste Vorsitzende: Olivia Bickerle

Zweiter Vorsitzende: Manfred Linss

Kassenwart: Kurt Rühl

Schriftführerin: Sabrina Lauster

Pressereferentin: Elena Stoll

Kassenprüfer: Martina Schubert und Peter Kruse

Pressekontakt: Elena Stoll 0174-2052345  

Info-Telefon: 0151 / 21 95 88 58

Im Falle einer Veröffentlichung freuen wir uns über eine kurze Nachricht.

GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins

Postfach 1102

61207 Echzell

 

 

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FAZ – Unruhestifter an der Wiesengasse in Gettenau

Seit ein vermutlich Rechtsextremer in Echzell lebt, kommt es häufiger zu Nachbarschaftsstreitereien. Am Wochenende organisierte eine Bürgerinitiative ein „Festival gegen Rechtsaußen“, zu dem auch Landespolitiker kamen. Die Wagenhalle der Freiwilligen Feuerwehr Echzell ist leergeräumt. Weder der Kommandowagen, noch die zwei Löschfahrzeuge stehen an diesem Samstagnachmittag in der Halle. Stattdessen üben dort fünf Mädchen des Hip-Hop- Workshops einen Tanz. In der anderen Hälfte betrachtet eine Handvoll Besucher Schaubilder der Ausstellung „Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen“. Vor einem Schaubild zum „Rechtsextremen Weltbild“ steht eine Mutter mit ihrem Sohn und liest Zeitungsausschnitte, die von Angriffen auf Farbige, Homosexuelle und Behinderte berichten. „Schau mal hier“, sagt die Mutter zu ihrem Sohn, „es kann mir doch keiner erzählen, dass die Recht haben.“

„Die“, das sind Rechtsextreme – im Allgemeinen wie in der Ausstellung, aber besonders im speziellen Fall von Echzell. In der Gemeinde schwelt etwas, was der Fraktionsvorsitzende der SPD im hessischen Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, am Samstag im Festzelt neben dem Feuerwehrhaus als „braunen Spuk“ bezeichnet. Schäfer-Gümbel sowie der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Tarek Al-Wazir, einige Landtagsabgeordnete von Grünen und Linkspartei, der Landrat des Wetteraukreises, Joachim Arnold (SPD), und die gesamte Echzeller Politik sind am Samstag in den Ortsteil Gettenau gekommen, um am „1. Echzell Festival gegen Rechtsaußen“ teilzunehmen. Die Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ hat das Sport- und Musikfestival organisiert. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Ausweitung von rechtsextremen Aktivitäten in Echzell zu verhindern und auf Geschehnisse aufmerksam zu machen, die sich seit rund zehn Monaten in der Gemeinde ereignen.

Überwachungskameras am Haus

Zentrum der Vorfälle ist die Wiesengasse. Dort lebt seit 2008 der 24 Jahre alte mutmaßlich rechtsextreme Geschäftsmann Patrick W., der früher in Wölfersheim einen Tätowierladen mit dem Namen „Old Brothers“ betrieb und über das Internet T-Shirts mit rassistischen Motiven verkauft haben soll. Nachdem W. seinen Laden von Wölfersheim an die Wiesengasse in Echzell verlegte, kam es dort zunehmend zu Streit mit den Nachbarn. Zunächst wegen Lärms von Feiern, die W. in seinem Haus organisierte und zu denen er auch Echzeller Jugendliche einlud. Nach Angaben eines Polizeisprechers liegen mehrere Anzeigen gegen W. vor, unter anderem wegen Körperverletzung, Nötigung und Ruhestörung.

Nachdem es laut Bürgerinitiative im Oktober 2009 zu einem ersten Übergriff mit Drohungen gekommen war, weil sich eine Nachbarin bei W. über die Lautstärke bei einer Feier beschwert hatte, folgte der Höhepunkt der Auseinandersetzungen bei einer weiteren Party Anfang Mai dieses Jahres: Als ein Nachbar versuchte, mit einer Leiter zu den Überwachungskameras zu steigen, die W. an seinem Haus befestigt hat, zerrten einige seiner Gäste den Nachbarn von der Leiter und rissen ihm Hose und Unterhose vom Leib. Der Mann musste an den Beinen unbekleidet in sein Haus zurückkehren.

„Nicht nur sauber. Arier“

Den Film aus seiner Überwachungskamera stellte W. vermutlich selbst auf die Internetplattform Youtube, wo er bis heute zu sehen ist, versehen mit hämischen Kommentaren. In einem Fernsehbeitrag, den der Hessische Rundfunks daraufhin über den Vorfall drehte, sagt W. über sich selbst: „Ich bin national eingestellt, aber ein Nazi bin ich keiner“ – und trägt dabei ein T-Shirt auf dem „Nicht nur sauber. Arier“ steht.

Da an besagtem Abend im Mai auch Polizei an Ort und Stelle war und in die Auseinandersetzung eingriff, wurde der Vorfall am Donnerstag im Innenausschuss des Hessischen Landtags thematisiert. Es galt die Frage zu klären, ob die anwesenden Polizeikräfte angemessen gehandelt hatten. Dabei berichtete der Inspekteur der Landespolizei, dass es sich um einen Nachbarschaftsstreit gehandelt habe, da die Täter nicht aus dem rechtsextremen, sondern aus dem „sonstigen Umfeld“ von W. stammen sollen.

Nicht das letzte Fest

Vor allem gegen das rechtsextreme Umfeld von W. richtete sich am Samstag das Festival auf dem Sportplatz, wo Jugendliche am Nachmittag Fußball, Tennis, Handball oder Basketball spielten. Den Sport hat die Bürgerinitiative bewusst als Vehikel gewählt für ihren Protest. „Über den Sport haben wir die Möglichkeit, an viele Leute heranzukommen und sie für das Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren“, sagt Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen, die die Echzeller Bürgerinitiative berät und unterstützt.

Die Initiative hat sich neben dem Eindämmen der rechtsextremen Umtriebe auch zum Ziel gesetzt, eine „aufgeklärte demokratische Jugend in Echzell zu stützen und zu fördern“, wie es im Flugblatt zum Festival heißt. Auch deshalb hat sie die örtlichen Sportvereine ins Boot geholt, da die Jugendlichen, die W. zu seinen Feiern einlädt, oftmals Mitglieder in den Vereinen sind.

Das erste Echzell-Festival mit seinen rund 900 Besuchern soll deshalb auch nicht das letzte gewesen sein. „Wir werden weiter arbeiten und fangen an, uns mit ähnlichen Initiativen in den umliegenden Gemeinden zu vernetzen“, sagt Organisatorin Olivia Bickerle. Demnächst solle ihre Bürgerinitiative in einen Verein umgewandelt werden, um die Arbeit gegen Rechts zu verstetigen. „Ich habe eine zweieinhalb Jahre alte Tochter, und die soll nicht in so einem Umfeld aufwachsen“, sagt die 39 Jahre alte Managerin. 

© Frankfurter Allgemeine Zeitung 2010

 

 

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1. Echzell-Festival ein voller Erfolg

Hunderte Besucher zeigen Flagge gegen Rechts

Rund 900 Besucher fanden sich am vergangenen Samstag zum 1. Echzell-Festival unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ auf dem Sportplatz in Echzell-Gettenau ein. „Wir sind begeistert, welch breite Unterstützung unsere Arbeit in derBevölkerung hat“, so Sebastian Tinz (29), Mitglied des Organisationsteams der Bürgerinitiative GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN. Neben einem abwechslungsreichen Sportprogramm für die ganze Familie und einer Fotoaktion gegen Rechts war die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung „Der Schlips denkt, der Stiefel sprengt“ einer der Anziehungspunkte des Festivals. Viele nutzten die Gelegenheit, sich ausführlich über den Rechtsextremismus in seiner heutigen Erscheinungsform zu informieren.

Schirmherr Bürgermeister Dieter Müller stellte in der Eröffnungsrede klar, dass Echzell kein braunes Nest ist und die örtliche Politik sich der Ausbreitung der rechtsextremen Umtriebe entschieden entgegen stellt. Auch die hessischen Fraktionsvorsitzenden von SPD, Bündnis90/Die Grünen und den Linken, Torsten Schäfer-Gümbel, Tarek Al-Wazir und Herrmann Schauss, zeigten sich im Schulterschluss. „Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen“ sagte der Landrat des Wetteraukreises, Joachim Arnold (SPD), im Festzelt. „In der Wetterau überlassen wir keinen Fußbreit den Neonazis.“ Alle anwesenden Politiker, darunter die gesamte Gemeindevertretung Echzells und die Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl (SPD) und Ellen Enslin (Bündnis90/Die Grünen), unterzeichneten im Anschluss als Zeichen der Unterstützung die „Resolution gegen Rechts“ der Gemeinde Echzell.

„Ich finde es ganz phantastisch, was auf die Beine gestellt wurde. Wir haben hier viel Spaß“ sagt Andreas L., Familienvater aus Reichelsheim, der mit seinen zwei Kindern das Festival besuchte. „Aber es ist erschreckend, was um uns herum passiert. Man darf nicht zulassen, dass sich das weiter ausbreitet.“

Das sehen auch die Mitglieder der Bürgerinitiative, darunter viele Jugendliche, so. Kurze Statements auf der Bühne machten der Festgemeinde deutlich, wie viele unterschiedliche Beweggründe es gibt, sich aktiv zu engagieren. „Aber am wichtigsten ist, dass wir allen gezeigt haben, dass niemand Angst haben muss, sich anzuschließen. Wir sind inzwischen so viele“, sagt Elena Stoll (26).

Die Veranstalter, die Bürgerinitiative GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN und die Sportjugend Hessen, zeigen sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf das Festival: „Wir haben gemeinsam mit den Sportvereinen vor Ort mit diesem Festival eine solide Basis für unsere Arbeit gegen Rechtsextremismus geschaffen“, so Angelika Ribler, Referentin der Sportjugend Hessen. „Wir werden unsere Aktivitäten hier in Echzell und den umliegenden Gemeinden weiter ausbauen. Das Festival war eigentlich nur der Startschuss.“ Auch Manfred Linss, Mitbegründer der Bürgerinitiative, ist zufrieden: “Wir wurden von allen Seiten heute ermutigt, noch intensiver weiterzumachen. Und es war ja schließlich das erste Echzell-Festival und nicht das letzte.“

Damit weitere Aktivitäten finanziert werden können, hat die Firma Musik Meyer aus Marburg einen Marshall-Verstärker im Wert von 800 Euro gespendet, der in den nächsten Wochen auf ebay zugunsten der GRÄTSCHE versteigert wird. Interessenten können sich bei der Bürgerinitiative melden und werden mit Beginn der Auktion per Email informiert. Die Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ gründete sich Ende 2009, ist parteipolitisch unabhängig und verfolgt das Ziel, die Ausweitung der rechtsextremen Tendenzen in Echzell und Umgebung zu verhindern und eine gut aufgeklärte Jugend zu stützen und zu fördern. Die Bürgerinitiative freut sich über tatkräftige Mitarbeit und Spenden. Interessierte können sich unter nettenachbarn@yahoo.de melden.

Mehr Informationen zur Bürgerinitiative im Internet unter www.graetsche-gegenrechtsaussen. de .

Pressekontakt: Olivia Bickerle 0160/977 67 515

Manfred Linss 0151 / 21 95 88 58

Im Falle einer Veröffentlichung freuen wir uns über eine kurze Nachricht.

GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN e.V.

Echzeller Bürgerinitiative für Demokratie

Postfach 1102

61207 Echzell

 

 

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Wetterauer Zeitung – Echzell wehrt sich: Musiker, Politiker und 500 Gäste gegen Rechts

(arc). Die vier »Fräulein Wunder« hatten gerade mit ihrer Show begonnen, als einer der Vereinsvertreter vor dem Zelt Bilanz zog: »Wir haben uns auch mit einem Stand beteiligt, was daraus geworden ist, ist allerhand.« Eine Meinung, die man am Samstag oft hörte auf dem Gettenauer Sportplatz beim »1. Echzell Festival« gegen Rechts.

Viele Vereine hatten mit Unterstützung durch Landessportbund, Sportkreis und Kommune einen kleinen Beitrag geleistet und waren später beeindruckt, was daraus geworden war.

Insgesamt blieb es ruhig, auch die vorsorglich stark vertretene Polizei meldete einen ruhigen Verlauf – obwohl es an der Absperrung vereinzelt zu Diskussionen mit Männern und Frauen aus der rechten Szene gab. Auch eine kleine Kundgebung der »Jungen Nationaldemokraten« verlief nach Auskunft der Friedberger Polizei ohne besondere Vorkommnisse.

Kurz zur Vorgeschichte: Nachdem es in Gettenau zu Auseinandersetzungen mit Zugezogenen gekommen war, die man der rechten Szene zuordnet, hatte sich die Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen« gegründet, die nun zum ersten Höhepunkt ihrer bisherigen Aktivitäten, dem Festival, eingeladen hatte.

Viel Aufklärungsarbeit wurde geleistet, die von der Gemeindevertretung verabschiedete Resolution lag zum Unterzeichnen aus. Neben vielen Kreis- und Lokalpolitikern machten auch die Landesvorsitzenden von SPD und Grünen, Thorsten Schäfer-Gümbel und Tarek Al-Wazir, so ihre Solidarität deutlich. Zuvor hatten sich die Politiker an die Gäste gewandt.

Landrat Joachim Arnold begann seine Rede mit der Feststellung: »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!« Er bedauerte, dass es solche Veranstaltungen geben müsse, weil einige Ewiggestrige sie nötig machten. Man müsse sich den Rechtsradikalen jedoch an jedem Ort gemeinsam entgegenstellen, forderte er die Bürger auf.

Schäfer-Gümbel mahnte, solche Veranstaltungen dürften kein Einzelfall bleiben, »so lange der braune Spuk in Echzell tobt«. Er ermunterte die BI, das Echzell Festival zu wiederholen und sagte noch mehr Unterstützung für die Arbeit der »Grätsche« zu. Im Osten schickten sich die Rechten an, Kindergärten zu gründen, um ihre Ideologie schon an die Jüngsten weiterzugeben zu können – die Rechten nisteten sich überall dort ein, wo sich der Staat zurückziehe. Wegsehen sei der falsche Weg, betonte er, das habe die Vergangenheit gezeigt.

Vom Landesparteitag der Linken war Hermann Schaus gekommen und überreichte eine Resolution gegen Rechts, die von allen Delegierten des Parteitags in Gelnhausen am selben Tage unterzeichnet worden war.

Auch Bürgermeister Dieter Müller erklärte, eine wehrhafte Demokratie könne nur funktionieren, wenn man sich auch wehre. Eine Resolution sei nur der Anfang, danach müssten auch Taten folgen. In diesem Zusammenhang dankte er der Bürgerinitiative.

Abschließend forderte auch Bezhad Borhani von der Sportjugend Hessen dazu auf, Gesicht gegen Rechts zu zeigen und rief auf zur regen Teilnahme am Sponsorenlauf. Am Ende des Laufes waren 3260 Euro für die Jugendarbeit der »Grätsche« zusammenkommen.

Für die BI dankte Olivia Bickerle allen Teilnehmern und Rednern für die große Unterstützung. Trotz des trüben Wetters hatten 500 Menschen den Weg nach Gettenau auf das Festival gefunden, damit war Bickerle sehr zufrieden.

Am Abend sorgten die Bands »Fräulein Wunder« und »Hartmann« noch einmal für rockige Stimmung und einen erneuten Zuschauerzustrom.

© Wetterauer Zeitung 2010

 

 

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DFB TV – 1. Echzell Festival gegen Rechts

Am Samstag, den 28. August 2010 fand zum erstenmal das von der Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaussen“ veranstaltete Echzell-Festival Gemeinsam gegen Rechts statt. Im Rahmen der Veranstaltung traten viele regional sowie überregional bekannte Künstler auf. Selbstverständlich ohne Gage. Komplettiert wurde die Veranstaltung durch zahlreiche Besucher sowie Informationsstände von verschieden Organisationen zum Umgang mit Rechtsextremismus.

 

 

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YouFM – Rechtsextremismus in Hessen

Gibt es Rechtsextremisten im YOUniverse?

Ja, und zwar nicht wenige. In ländlichen Gebieten können sie nach Expertenmeinung besonders leicht Fuß fassen. Sie richten sich dort ein und sind für die Dorfbewohner nicht leicht zu erkennen. Denn die Gleichung Springerstiefel, Glatze und Bomberjacke geht heute nicht mehr auf. Die Zahl rechtsextremer Gewaltdelikte in Deutschland hat seit März dieses Jahres kontinuierlich zugenommen und im Juni mit 78 einen Höchststand erreicht. 2009 registrierte der Verfassungsschutz in Hessen 2100 Rechtsextremisten und 797 Delikte, darunter 22 Gewalttaten inklusive einer versuchten Tötung. Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen damit zwar weit hinten, doch gibt es auch dort rechtsextremistische Hochburgen, die nicht ungefährlich sind. Dazu zählen der Wetterau-, der Schwalm-Eder- und der Lahn-Dill-Kreis.

Neue Gruppierungen mit hohem Gewaltpotential

Besonders im Raum Wetzlar und Umgebung blüht laut Verfassungsschutz die rechtsextreme Szene auf. Oft geht es hier um Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksautonomen. Außerdem haben viele Gruppen, die dort aktiv sind, keine eindeutige politische Richtung und fühlen sich auch der NPD nicht direkt verbunden. Doch gelten sie insgesamt als besonders gewalttätig. Diese rechtsextremistischen Gruppen im YOUniverse sind mit anderen bundesweiten Gruppen vernetzt und setzen weniger auf Inhalte als auf erlebnisorientierte Aktionen.

Reden über Neonazis

Der Journalist Johannes Radke (29) ist Rechtsextremismus-Experte. Er hat das „Netz gegen Nazis“ gegründet und betreut das ZEIT-Portal „Störungsmelder“, das sich mit den aktuellen Aktivitäten von Rechtsextremisten beschäftigt. Er weiß, wie Rechtsextreme neue Leute für ihr rechtes Gedankengut werben und warum junge Menschen zu Neonazis werden, ohne es gleich zu bemerken. Viele Rechtsextremen treten nach außen hin friedlich auf und versuchen sich in die örtliche Gemeinschaft zu integrieren. Sie sind in der Jugendarbeit in Vereinen, Sportclubs oder in der Kinderbetreuung aktiv. Nicht immer bleiben sie unentdeckt. Wie zum Beispiel im Dorf Gettenau / Echzell im Wetteraukreis. Dort hat sich Anfang 2008 ein kreisbekannter Rechter niedergelassen, gegen den sich jetzt einige Bürger zu wehren versuchen.
Patricks Spitzname ist Schlitzer

In einem Fernsehbeitrag sagt Patrick (24) von sich selbst: „Ich bin national eingestellt, aber Nazi bin ich keiner“. Auf seinem T-Shirt prangt dabei die Aufschrift: „Nicht nur sauber sondern rein! Arier“. Sein Geld verdient der 24-Jährige mit einem Tattooladen und einer Securityfirma, seine Frau betreibt einen Taxibetrieb. Nach Echzell ist Patrick vor zwei Jahren gezogen. Bei der Polizei ist Patrick wegen „einer Liste von Straftaten“ bekannt, unter anderem wegen Körperverletzung und Volksverhetzung. „Wir ordnen ihn der rechtsextremen Szene zu. Doch nach außen tritt er eher als Kirmesschläger auf, der laute Feste mit vielen Gästen feiert und dort seine gleichgesinnten Kumpanen um sich schart“, sagt Jörg Reinemer, Polizeisprecher des Polizeipräsidiums Wetterau. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen den Nachbarn und Patrick. „Es gibt Anzeigen von beiden Seiten. Dabei geht es um Nötigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung“ sagt Reinemer. Anfang Juli ist die Situation erneut eskaliert, als Patrick unter seinem Pseudonym „pauldeprinz“ ein Video mit hämischen Kommentaren auf Youtube eingestellt hat. Zu sehen ist ein Nachbar, der nach einem Streit versucht, die Kameras zu entfernen, die auf sein Haus gerichtet sind und dabei von etwa 15 Partygästen von der Leiter gezerrt wird, die ihm die Hose und Unterhose ausziehen.

„Viele raffen gar nicht, was da abgeht“

Die 19-Jährige Azubine Agnes (Name verändert) hing früher bei Patrick im Tattoo-Studio in Wölfersheim ab. Sie sagt, dass wer Patrick gekannt habe, sich sicher und cool gefühlt habe. „Es lief prinzipiell immer rechte Musik in seinem Laden: Dort wurden auch rechte Tatoos gestochen. Aber da hast Du drüber hinweggesehen. Vielleicht auch, weil Vorurteile hier in der Ecke ganz schön verbreitet sind.“

Freitag und Samstag wird gefeiert

Das Patrick und seine Gruppe nennen sich „Old Brothers“. Sie tragen entsprechende Jacken mit Logos und schmücken damit ihre Autos. Seine engsten Leute sind mit ihrem Fingerabdruck an Patricks Hoftor registriert. Seinen Eingang überwacht er mit Kameras. Patrick sagt, dass sie gerne abgekapselt seien. „Denn wenn wir wo auftauchen, werden wir provoziert und meistens geht das für die anderen nach hinten los“. Am Wochenende feiert der Old Brothers Stammtisch gemeinsam mit Patricks Freunden aus der Umgebung geschlossene Parties auf seinem Hof oder in Lokalitäten im Umkreis, die er im sozialen Netzwerk „Wer kennt wen“ ankündigt.

Still aus Angst und Desinteresse

Die 17-Jährige Anne (Name geändert), die aus Angst ihren Namen nicht nennen will, sagt, dass man Rechtsgesinnten auf dem Land besser aus dem Weg gehe und sich mit Aussagen gegen sie zurückhalte, um keinen Ärger zu bekommen. „Entweder bist du links, rechts oder still.“ Vor allem unter den 15- bis 20-Jährigen sei die Anziehungskraft rechtsextremistischer Gruppen enorm hoch.

Wie die Bürger sich wehren

Viele Bürger in Echzell wünschen sich, dass Patrick ihren Ort verlässt. Deshalb haben sie sich im Dezember 2009 in der Bürgerinitiative „Grätsche gegen Rechtsaußen“ zusammengeschlossen. Sie dokumentieren die Aktivitäten von Patricks Gruppe „Old Brothers“ und versuchen in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Schulen, Kirchengemeinden, dem Gemeindevorstand und der Kommunalverwaltung gegen Patrick und seine Gruppe anzugehen.

Mit Musik gegen Rechtsaußen

Auch die Politik (SPD und Linke) hat sich inzwischen der Situation in Echzell angenommen. Am 26. August 2010 tagt der hessische Innenausschuss in einer Sondersitzung unter dem Titel: „Jagd auf Menschen durch Neonazis in Echzell“. Und am 28. August steigt in Echzell das von der Bürgerinitiative organisierte Festival „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ mit der Band „Fräuleinwunder“.

Hilfe für Anwohner

Nicht in allen Dörfern, in denen sich Rechtsextreme niederlassen, sind die Anwohner so engagiert. Oft wissen die Betroffenen nicht, wie sie sich verhalten sollen oder haben Angst. Das „Beratungsnetzwerk Hessen“ bietet kostenlos Hilfe in konkreten Krisensituationen an.

Hilfe für ausstiegswillige Rechtsextremisten

Wer einmal in die rechtsextremistische Szene abgerutscht ist, dem fällt der Ausstieg oft schwer. Selbst wenn man sich von der Ideologie gelöst hat, ist es ein riesiger Schritt, den Ausstieg zu wagen. Wer sich von der Szene lösen möchte, braucht Mut und Beratung. Das „Informations- und Kompetenzzentrum Ausstiegshilfen Rechtsextremismus“ (IKARus) bietet Hilfe. Auch für Freunde und Familienmitglieder von Menschen, die dabei sind, in die Szene abzurutschen.

© Hessischer Rundfunk 2010

 

 

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Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins