Wetterauer Zeitung – Thema Wiesengasse »Wieso greifen die Behörden nicht ein?«

(pm/dab). »Wie lange soll es in der Wiesengasse noch so weitergehen, bis hier tatsächlich eingegriffen wird?«, fragt der Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen« in einer Pressemitteilung. Grund dafür ist ein WZ-Artikel vom 12. Oktober 2010 (»Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP«), der die Kamera-Überwachung in besagter Straße in Gettenau thematisiert.

Nachdem Anfang Juli ein Video im Internet aufgetaucht war, das eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei Nachbarn zeigt, hat sich das Regierungspräsidium in Darmstadt eingeschaltet. Auslöser waren, so die Auskunft der Behörde, zwei Beschwerden, die gegen beide Nachbarn eingegangen sind: Sie sollen den öffentlichen Raum überwachen, lautet der Vorwurf, was Privatpersonen aber verboten ist.

Manfred Linss, Vize-Vorsitzender von »Grätsche gegen Rechtsaußen«, betont in seinem Schreiben an die WZ, dass in diesem konkreten Fall »die „rechten Aktivitäten“ in der Wiesengasse« das vorrangige Problem seien, nicht die Überwachung des öffentlichen Raums. Denn einer der beiden Nachbarn, der sein Umfeld nicht nur überwache, sondern aktiv kontrolliere, sei nachweislich der rechten Szene zuzuordnen. Deshalb habe der andere Beschuldigte berechtigterweise Angst und fühle sich bedroht. »Wer die Ereignisse in der Wiesengasse verfolgt hat, kann das sicherlich nachvollziehen.« Hier von einem Nachbarschaftsstreit zu sprechen, »ist schon fast unverschämt«.

Nicht nachvollziehen könne er, so Linss, wieso das im Internet kursierende Video für das Regierungspräsidium nicht Beweis genug dafür sei, dass gegen den Datenschutz verstoßen wurde. Warum die Behörde von den Betroffenen noch die Auskunft erbete, ob es sich bei den Kameras um Attrappen handele und ob sie mithilfe der Technik die Straße »nur« beobachten oder die Bilder auch speichern, sei unverständlich.

Im Übrigen sei den Behörden nicht erst seit Auftauchen des Videos bekannt, dass die Wiesengasse überwacht werde – und das schon seit über einem Jahr. Stattdessen würden die Zuständigkeiten hin- und hergeschoben: Das Regierungspräsidium hatte gegenüber der WZ erklärt, um die Angaben der Beschuldigten zu überprüfen, werde man gegebenenfalls das Ordnungsamt einschalten. Das wiederum sieht erst einmal das Regierungspräsidium in der Pflicht.

Letztendlich stehe doch die Frage im Raum, wann die Behörden tatsächlich eingreifen, betont Linss. Er plädiere dafür, dass sich die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums »selbst vor Ort von der Situation ein Bild machen und den Regierungspräsidenten gleich mitbringen«.  

© Wetterauer Zeitung 27.10.2010

Wetterauer Zeitung – Florstadt tritt »Grätsche gegen Rechtsaußen« bei

Gemeinsamer Antrag aller Fraktionen: »Wir als demokratische Parteien lehnen extreme Gruppierungen ab« 

(chh/dab). Beim Antrag der GrünenFraktion, die Stadt solle beim Echzeller Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen« Mitglied werden, herrschte unter den Fraktionen eine so große Einigung, dass sie vor der Parlamentssitzung beschlossen, den Antrag gemeinsam vorzubringen.

»Das ist ein Signal. So etwas, was in Echzell passiert, wollen wir nicht«, sagte Gerhard Salz für die Grünen mit Blick auf eine rechtsextreme Gruppierung, die in Gettenau aktiv ist. Auch der SPD-Vorsitzende Stefan Lux warb für die Mitgliedschaft im Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen«: »Wir als demokratische Parteien lehnen so etwas wie in Echzell ab.« Das Votum fiel einstimmig aus.

Vertrag mit Verlag läuft weiter

Zudem hatte die GrünenFraktion den Antrag gestellt, die Zusammenarbeit mit einem Verlag zu kündigen, der dem Druck und der Verbreitung der »Florstädter Nachrichten« beauftragt ist (nicht die WZ).

Der Vorsitzende der Grünen, Rainer Kimling, begründete den Antrag mit den seiner Meinung nach skandalösen Beschäftigungsbedingungen: Laut Kimling schließt der Verlag mit Zeitungsverteilern Verträge ab, die die Verteiler zu Selbstständigen machen. »Wenn ein Abonnent die Lieferung nicht zahlt, bleibt der Zeitungsverteiler auf den Schulden sitzen. So sind schon vierstellige Schuldenbeträge zusammengekommen.« Da das Thema sehr ausführlich sei, plädierte Kimling für eine Verlegung in den Ausschuss.

Soweit kam es nicht. Bürgermeister Herbert Unger erklärte, der Magistrat habe zwei Tage vor Antragstellung den Vertrag mit dem Verlag bis 2016 verlängert. »Wir haben also erst später von den Einwänden erfahren«, sagte der Bürgermeister. »Wir haben aber nachgeforscht. Laut Verlag liegen keine Beschwerden seitens der Austräger vor. Zudem seien alle Rechnungen ausgeglichen.«

Kimling blieb skeptisch: »Ich habe Kenntnisse, dass sogar schon Prozesse deswegen geführt worden sind.« Diese Informationen will er nun dein Magistrat vorlegen, damit dieser weiter recherchieren kann. Da derVertrag aber gerade frisch verlängert wurde, zogen die Grünen den Antrag erst einmal zurück. Somit wird das Thema wohl erst wieder im Jahr 2016 die Parlamentarier in der Stadtverordnetenversammlung beschäftigen.

Nasse Wiesen sollen Vögel anlocken

Vier Wiesen im Naturschutzgebiet »Am Mähried von Staden« sollen unter Wasser gesetzt werden. Durch diese sogenannte Vernässung soll die zwölf Hektar große Fläche zum Rast, Brut und Aufzuchtplatz für Vögel werden. Vor allem Arten wie Großer Brachvogel, Weißstorch, Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe und Wachtelkönig sollen so gefördert werden. Knapp 1,8 Millionen Ökopunkte bringt das Projekt ein — und damit bares Geld für die Stadtkasse. Denn 622 000 Euro können durch den Verkauf der Punkte erlöst werden, womit das brach liegende Baugebiet »Borngasse« in Leidhecken von der Hessischen Landgesellschaft abgelöst werden soll. Hierfür sind rund 544 000 Euro eingeplant.

Auch wenn die Stadtverordneten sich nicht einig waren, wie es mit dem Baugebiet weitergehen könnte: In Sachen Naturschutz gab es keine Diskussion. Das Projekt sei eine prima Idee und sollte umgesetzt werden. Das Votum fiel erwartungsgemäß einstimmig aus.

© Wetterauer Zeitung 22.10.2010

Frankfurter Rundschau – Vergasung als Partygag

Von Julia Müller

Zwischen römischen Zeichen und Wikingersymbolen hat Patrick W. auf dem Oberarm eine „88“ tätowiert. Im braunen Zahlencode steht das für „Heil Hitler“. In seinem Nacken blitzt ein „C18“ hervor. Es ist das Zeichen der neonazistisch-terroristischen Gruppierung „Combat 18“ (Kampf Adolf Hitler), die gewillt ist, politische Gegner auch mit Gewalt zu bekämpfen.

„Ich habe noch viel Schlimmeres tätowiert. Das hat aber nach außen hin niemand zu sehen“, sagt der 24-Jährige und lacht. Das tut er im Gespräch immer dann, wenn ihn seine eigenen Aussagen amüsieren oder er mehr von sich preisgibt, als er geplant hat. An seinem Hoftor in Echzell (Wetterau) pappt ein Sticker seiner Gruppe mit dem Symbol eines Totenkopfes, der an die Waffen-SS erinnert. Der Slogan darauf: „Wir gegen linke Willkür.“ Als Neonazi würde sich W. jedoch nicht bezeichnen: „Ich bin ein Old Brother, war früher ultrarechts und habe noch was von der Einstellung, die sich bei mir gegen linke Dummheit richtet.“ Old Brother, so heißt sein Tattoo-Laden.

Von der Polizei wird W. der rechtsextremen Szene zugeordnet. Er ist ihr wegen „einer Liste von Straftaten“ bekannt – unter anderem Körperverletzung und Volksverhetzung. Im Juli lenkte W. Aufmerksamkeit auf sich, als er das Video einer Attacke seiner Partygäste auf einen Nachbarn mit hämischen Kommentaren auf der Internetplattform „Youtube“ veröffentlichte. Zu sehen ist, wie eine Gruppe von etwa 15 Leuten den Nachbarn vor dem Haus von der Leiter zerrt und ihm Hose und Unterhose auszieht, nachdem er versucht hatte, die Überwachungskameras wegzudrehen, die W. auf sein Haus gerichtet hat.

W. hat nicht gern Menschen um sich, die er nicht kennt: „Ich lasse nur Leute an mich heran, die mich nicht nerven. Das ist eine Familie, die man sich da zusammenbaut“, sagt er. Seinen Eingang überwacht er mit Kameras. Enge Freunde sind mit ihrem Fingerabdruck am Hoftor registriert. Ansonsten darf ihn nur besuchen, wer zu seinen legendären Partys eingeladen ist. „Wenn du wegen Volksverhetzung auf den Deckel gekriegt hast und zehntausende Euro für den Anwalt zahlen musst, dann überlegst du.“

Es kursieren viele Gerüchte darüber, was sich hinter den Mauern seines sogenannten „Old Brothers Castle“ abspielt. Sein Hof, die größte Hofreite des Ortes, ist von Gebäuden umschlossen. Rechts vorne befindet sich sein Tattoo-Studio, dahinter der Partykeller, links das Wohnhaus, und in der Mitte des mit Hundekot übersäten Hofes steht ein alter Bierwagen.

Der 24-Jährige zeigt sich freundlich, hat eine derbe Sprache und eine rotzig freche Art. Er trägt T-Shirts mit provokanten Aufschriften wie das einer Ariel-Persiflage: „Alles sauber, alles rein: Arier“. Der Tätowierer mag es zu provozieren, gibt sich offen, nicht zu locker, dafür bestimmt.

Sein 20-jähriger Kumpel, der in W.’s Tattoo-Studio auf der Couch sitzt, wird unruhig, als die Fragen in seine Richtung gehen. „Wir sind nicht direkt Neonazis, aber wir teilen die Einstellung von denen“, antwortet er stotternd. Er will nichts erklären, das soll W. übernehmen. Und der mag keine penetranten Nachfragen, zum Beispiel, wenn es um seine Tätowierungen geht. Mit ein paar Witzen und einlullenden Monologen führt er das Gespräch dann in eine andere Richtung.

Die Szene setzt auf Symbolik – und auf markige Sprüche. Doch es sind die kleinen Details in seinen langatmigen Ausführungen, die Aufschluss über seine Ansichten geben. Gegen wen sich seine Wut richte? „Gegen alle, die nicht arbeiten“, antwortet W. „Ich halte mein Maul nicht, wenn mir was nicht passt. Linke Zecken stinken, sie studieren, und am Ende betteln sie und trinken Alkohol. Das ist nicht korrekt.“

„Brausebad“ steht am Disko- Raum, und aus Duschköpfen strömt weißer Nebel

Unterschiede macht der 24-Jährige bei Migranten. Einer aus seiner Gruppe sei Halb-Spanier, ein anderer habe sogar einen schwarzen Vater. „Wir machen da so unsere Späßchen, zum Beispiel wenn er an Fasching im Ku-Klux-Klan-Outfit herumrennt.“ Auch ältere Türken findet W. nicht so schlimm. Es seien die Jüngeren, die keinen Respekt vor Deutschland hätten. „Ich habe ja so einen Hass bekommen, weil ich die früher in der Klasse hatte.“ In W.’s Augen werden Deutsche mehr verfolgt als alle anderen. „Wenn ich kein Deutscher wäre, dann würde mir geholfen. In diesem Land heißt es: Sie sind Deutscher, sie können das selber machen.“

Moderne Rechtsextreme – W. ist einer von ihnen. Sie haben weder eine eindeutige politische Agenda, noch fühlen sich der in ihren Augen zu laschen NPD und deren völkischem Verständnis verbunden. Stattdessen trinken und essen sie sogenannten „Besatzerfraß“, tragen Hip-Hop-Klamotten und setzen weniger auf Inhalte als auf erlebnisorientierte Aktionen.

„Nach außen hin tritt W. als Kirmesschläger auf, der laute Feste mit vielen Gästen feiert und dort seine gleichgesinnten Kumpane um sich schart“, sagt Jörg Reinemer, Polizeisprecher des Polizeipräsidiums Wetterau über den 24-Jährigen. W. organisiert Ausflugsfahrten, Flatrate- und Kammerpartys.

Am Wochenende werde bei ihm mit viel Whisky gefeiert. „Im Normalfall haben wir ein paar Stripperinnen und anderen Krempel dabei oder bestellen ein paar Nutten, die Live-Sex-Shows machen. Da gehen schon mal 60 Jacky-Flaschen weg“, erzählt W. Gefeiert wird in der Partyscheune oder auf dem Hof. Die Gäste auf den Fotos, die sich über Seiten des sozialen Netzwerks „Wer kennt wen“ anmelden und aus dem Raum Friedberg stammen, sind nicht älter als Anfang bis Mitte 20.

„Brausebad“ steht in dicken Lettern an der neuen, silbernen Eingangstür zum kleinen Diskoraum mit einer Bar und einer Gogo-Stange in der Ecke. Von der Decke hängen vier blanke Duschköpfe, aus denen weißer Partynebel austritt. Bei W.’s berüchtigten „Kammerparties“ soll damit laut Anti-Nazi-Koordination Frankfurt der Gaskammern des Dritten Reiches gedacht werden. Die „Vergasung“ als Partygag.

„Wir hätten das so hingeschrieben, wenn es so wäre“, sagt der 24-Jährige ausweichend. Für was denn der Name „Brausebad“ an der Tür stehe? W.: „Es war nicht meine Idee. Irgendwann stand der Name an der Tür.“ Beim Herausgehen fällt der Blick auf ein Warnschild in altdeutscher Schrift an der Tür. Darauf steht: „Rauchverbot wird im Notfall auch mit der Axt durchgesetzt. Bei Widerstand gegen die Deutsche Wehrmacht auch mit Schusswaffen und anschließend zu den anderen in die Scheune gehängt.“

Heirat, Haus, Hunde – und arbeiten bis höchstens 45

Überraschungsmomente wie diesen nimmt W. lässig und grinst. Einen Kommentar dazu gibt er nicht. Der 24-Jährige glaubt zu wissen, wo es lang geht und wie. Es ist seine Mischung aus großer Bruder, Sozialarbeiter und Feierwütigem, der keine Grenzen kennt, die junge Menschen anzieht. „Es war cool, ihn zu kennen“, sagt Eva Neumann (Name geändert), die W. noch aus seinen früheren Zeiten in Wölfersheim kennt.

Es sei ein gutes Gefühl gewesen, sagen zu können, dass man den Schlitzer kenne, „weil man wusste, wenn was ist, kennt man ihn ja.“ Mit seinem Spitznamen Schlitzer brüste W. sich damit, als Jugendlicher einen Migranten mit dem Messer niedergestochen zu haben. Seine Sprüche über Schlägereien und Ausländer waren der 19-Jährigen damals egal. „Man hat seine eigenen Probleme und denkt, warum soll ich mich irgendwo reinhängen, womit ich prinzipiell nichts zu tun habe. Zudem sind die Leute hier in der Ecke sowieso eher rechts eingestellt.“

W. ist auf seine Werte sichtlich stolz: „Ich bin für viele hier ein Idol, für meine Jungs immer zu erreichen und versuche, etwas aus ihnen zu machen.“ In seinen Augen braucht es jemanden wie ihn, der ihnen Halt gebe. „Ich zeige den Kiddies, was man aus Arbeit machen kann und wie man seinen Lebenstraum verwirklicht.“ Dazu zählten heiraten, ein eigenes Haus, ein paar Hunde und das Ziel, mit 45 Jahren mit dem Arbeiten aufzuhören. Wichtig dabei sei der Spaß: „Und der fängt bei uns freitags an.“

© Frankfurter Rundschau 2010

 

 

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Wetterauer Zeitung – Unterstützung für Echzell oder alles nur Schau?

SPD wundert sich, warum die CDU gemeinsamen Antrag für »Grätsche«-Beitritt nicht mittragen will

(en). Die Fraktionen der SPD, der FWG und der Grünen haben zur nächsten Sitzung der Gemeindevertretung (am kommenden Montag) einen gemeinsamen Antrag eingebracht: Die Gemeinde Wölfersheim möge Mitglied im Echzeller Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen« werden.Vor allem die SPD wundert sich, warum die CDU nicht zum Mitmachen zu bewegen ist. 

Begründet wird der Antrag damit, dass Wölfersheim selbst unliebsame Erfahrungen mit »intoleranten rechten Aktivitäten« gemacht habe und noch immer drei NPD-Vertreter im Gemeindeparlament »klammheimlich den Rechtspopulismus schüren«. Man wolle, so SPD-Fraktionschef Karl Ernst Pulkert, die Bestrebungen der Nachbargemeinden für gewaltfreien demokratischen Umgang miteinander gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der gesamten Region unterstützen. 

Darin waren sich die drei Fraktionen einig. Nur die Fraktion der CDU macht nicht mit. Obwohl von Seiten der SPD mehrmals nachgefragt worden sei, habe es keine positiven Reaktionen der CDU gegeben. Für die SPD »drängt sich die Frage auf«, ob die Christdemokraten »eventuell damit liebäugeln, die NPD nach der Kommunalwahl als möglichen Partner einzukalkulieren«. Das wäre »beschämend«, meint Pulkert und erinnert an die frühen 90er Jahre, als die CDU schon einmal eine Zusammenarbeit mit der NPD eingegangen war.

»Warum sonst sträubt man sich so, dem rechten Rand auf die Füße zu treten?«, fragt Pulkert. Die Antwort gibt ihm CDU-Fraktionschef Hermann Ulrich Pfeuffer, der von einem »Schauantrag rechtzeitig vor der Wahl« spricht. Wenn man das beschließe, müsse man sich auch den Linksaußen des politischen Spektrums widmen, und gerade die SPD habe zuletzt diverse Anträge der Grünen auf Unterstützung von Institutionen abgelehnt. Man sei sich im klaren, so Pfeuffer, dass man sich auf »gefährlich dünnem Eis« bewege. 

»Absolut idiotisch« sei freilich die Spekulation Pulkerts, die CDU könne nach der Wahl mit der NPD sympathisieren, »das wird es mit mir nicht geben«. Und Pfeuffer kontert »Wenn die Genossen so etwas ins Gespräch bringen, rechnen sie offenbar mit dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit.«. 

© Wetterauer Zeitung 13.10.2010 

Wetterauer Zeitung – Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP

Regierungspräsidium geht Beschwerden nach: Zwei Anwohner der Wiesengasse überwachen vermutlich die Strasse

(dab). Seit Anfang Juli ein Video im Internet aufgetaucht ist, das eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Nachbarn in der Wiesengasse zeigt, beschäftigt sich auch das Regierungspräsidium in Darmstadt mit dem Vorfall. Denn das Video ist offenkundig mit einer Kamera aufgenommen worden, mit der einer der beiden Nachbarn nicht nur seinen eigenen Hauseingang beobachtet, sondern die komplette Straße.

Das Problem dabei: Die Überwachung des öffentlichen Raums ist Privatpersonen verboten. »Die Straße ist ein öffentlicher Raum, in dem sich jeder frei bewegen können soll«, erklärte Renate Hillenbrand-Beck von der Abteilung Datenschutz beim Regierungspräsidium auf WZ-Nachfrage. Nur die Polizei dürfe den öffentlichen Raum überwachen, und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Beschwerden seien im Übrigen gegen beide Nachbarn eingegangen – nicht nur gegen denjenigen, dessen mutmaßlich rechtsradikalen Gäste den Nachbarn von gegenüber attackiert hatten, nachdem dieser die Kamera des Kontrahenten umdrehen wollte. Das bestätigte Hillenbrand-Beck. Denn auch der Nachbar, der bei der Attacke seine Hose verloren hatte (was übrigens immer noch via Internetvideo, verbreitet wird), soll mehr als nur sein eigenes Grundstück überwachen.

Passiert ist in den drei Monaten, seitdem das Regierungspräsidium sich mit dem Fall beschäftigt, nicht viel. »Wir haben ein Prüfverfahren eingeleitet und die beiden um Auskunft gebeten«, sagte Hillenbrand-Beck. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, ob es sich bei den Kameras um Attrappen handelt. Und falls nicht, ob mithilfe der Technik die Straße »nur« beobachtet wird oder ob die Bilder auch gespeichert werden. Während ein Nachbar bislang gar nicht reagiert habe, habe der andere über seinen Anwalt Akteneinsicht verlangt.

Auf WZ-Nachfrage, wie man denn die Angaben der Beschuldigten überprüfen wolle, hieß es aus der Behörde in Darmstadt, zur Überprüfung werde man gegebenenfalls das Ordnungsamt einschalten. Das stößt im Echzeller Rathaus auf wenig Verständnis: »Die Kompetenz liegt beim Regierungspräsidium., das ist die zuständige Behörde – bis hin zur Überwachung«, sagte Ordnungsamteleiter Thomas Alber. Bis eine entsprechende Anfrage im Echzeller Rathaus landet, könnte es ohnehin noch eine Weile dauern. »Dass Nachbarn sich gegenseitig beobachten, ist ein großes Thema«, sagte Hillenbrand-Beck. »Wir verzeichnen dabei eine regelrechte Explosion. Weil die Technik, leicht verfügbar und günstig ist und viele Menschen gedankenlos damit umgehen.« 

© Wetterauer Zeitung 13.10.2010 

Lesen Sie hier auch die Reaktion von Manfred Linss, 2. Vorsitzender des Vereins „Grätsche gegen Rechtsausssen e.V.“ auf diesen Artikel.

Haben wir aus der Geschichte gelernt?

Leserbrief zu: 58-Jähriger von Rechtsextremen angegriffen, Wetterauer Zeitung vom 8. Juli 2010 

Martin Niemöller, ev. Geistlicher und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, sagte im Rückblick auf die schrecklichen Ereignisse des 3. Reiches: „Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert, denn ich war ja Christ… als sie die Sozialdemokraten holten, da habe ich auch nicht protestiert, denn ich war ja kein Sozialdemokrat… als sie die Katholiken holten, habe ich nicht protestiert, denn ich war ja Protestant… als sie mich holten, war niemand mehr da der protestieren konnte!“ Doch halt, es geht nicht nur um die Vergangenheit – heute versucht der braune Mob immer wieder Fuß zu fassen-, bei uns! In Gettenau! Vor der Haustür!

Auf heute könnten wir das Niemöller-Zitat so umschreiben: „Als sie die Asylanten überfallen haben, da habe ich nicht protestiert, denn ich war ja kein Asylant. Als sie Ausländer zusammengeprügelt haben und Hetzparolen verbreitet haben, habe ich auch nicht protestiert, denn ich war ja kein Ausländer. Als sie die Leute in der Wiesengasse überfallen und zusammengeschlagen haben, da habe ich auch nicht protestiert, denn ich wohne ja nicht in der Wiesengasse…“ Und wenn sie eines Tages mich, Sie, jemanden von uns niedermachen und zusammenprügel? Gibt es dann auch niemanden mehr, der protestiert? Nein, soweit darf es nicht kommen! Angst, Schweigen, Wegschauen – das würde das Problem nur verschärfen. Dass sogar ein Beamter die Anwohner auffordert wegzuziehen, ist skandalös – jetzt stellt sich die Frage, haben wir aus der Geschichte gelernt. Leider wurden die schlägertrupps von SA und SS, verkrachte Existenzen, die schon damals Menschen um sich scharten, unterschätzt. Keiner kann sagen, das Problem „Wiesengasse“ betrifft mich nicht. Es geht um unsere Zukunft. Wie wird unsere Jugend geprägt? Jeder ist gefragt, noch können wir eine schlimmere Entwicklung verhindern – wenn alle zusammenhalten – alle Menschen guten Willens, über konfessionelle, religiöse und politische Grenzen hinweg. Unterstützen Sie die Arbeit der „Grätsche gegen Rechtsaußen“ und auch das Festival am 28. August 2010, „Gemeinsam gegen Rechts“. 

Wolfgang Kaiser – Pfarrer aus Wölfersheim 

Leserbrief an die Wetterauer Zeitung

zu: WZ Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP vom 12. Oktober 2010

Dass die Wiesengasse in Echzell schon seit über einem Jahr „überwacht“ wird und nicht erst seit dem Video Anfang Juli im Internet, ist den polizeilichen Behörden durchaus auch bekannt. Wobei hier statt überwacht auch eher der Begriff „überwacht und kontrolliert“ zu verwenden ist. Denn es ist eine Person, die der rechten Szene nachweislich zuzuordnen ist, die dies tut. Nun, und der andere Nachbar überwacht sein eigenes Haus und dessen Eingang weil er berechtigterweise Angst hat und sich außerdem bedroht fühlt. Wer die Ereignisse in der Wiesengasse in der Vergangenheit verfolgt, hat kann das sicherlich nachvollziehen …

Dass der Artikel mit „Nachbarschaftsstreit“ titelt, ist schon fast unverschämt. Denn der Hintergrund der ganzen Überwachung sind ganz klar die „rechten Aktivitäten“ in der Wiesengasse – im Übrigen sollte dies dem RP schon längst bekannt sein. Ich denke, die allgemeine Problematik der Überwachung des öffentlichen Raums ist hier in diesem konkreten Fall nicht das vorrangige Problem. So wird es allerdings in dem Artikel suggeriert.

Das Video selbst sollte doch auch ausreichend Nachweis des Missbrauchs und Verstoßes gegen die gültigen Datenschutzbestimmungen sein. Warum da die Frage nach einer evtl. Attrappe oder die Frage, „ob nur beobachtet wird“ – was soll das ? Und dann noch das Hin- und Herschieben der Zuständigkeiten und Kompetenzen …

Und wenn, wie in dem Artikel, von „mutmaßlich rechtsradikalen Gästen“ gesprochen wird, dann ist das wider besseren Wissens !

Letztendlich stellt sich doch die Frage, wie lange das noch so weiter gehen soll, bis hier tatsächlich eingegriffen wird.

Vielleicht sollte sich Frau Hillenbrand-Beck einmal selbst vor Ort von der Situation ein Bild machen und den RP gleich mitbringen.

Ich lade beide herzlich dazu ein !

Manfred Linss, Echzell

2. Vorsitzender Grätsche gegen Rechtsaußen e.V. i.G.

 

Lesen Sie hier den Artikel: WZ Nachbarschaftsstreit beschäftigt nun auch RP vom 12. Oktober 2010 

Frankfurter Neue Presse – Jetzt grätscht ein Verein gegen Rechts Echzell

22 Gründungsmitglieder riefen jetzt in Echzell den Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins «Grätsche gegen Rechtsaußen» ins Leben. Vorausgegangen war eine Bürgerinitiative gleichen Namens, die sich im Herbst 2009 organisierte, als sich rechtsextreme Übergriffe einer bekannten Neonazi-Gruppierung ausbreiteten.

Der Verein will Bildungs- und Freizeitangebote schaffen, Aufklärungsarbeit leisten und den Dialog zwischen Bürgern, aber auch zwischen Wetterauer Gemeinden herstellen und fördern. Daher kamen zahlreiche Bürger aus umliegenden Gemeinden, um ihre Unterstützung zu demonstrieren.

Der Fokus liegt auf der Vernetzung Wetterauer Bündnisse, Parlamente und Bürger, um sich verstärkende rechtsextreme Tendenzen zu verhindern. Unter http://www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de lassen sich Infos und der Mitgliedsantrag finden. 

© 2010 Frankfurter Neue Presse

Wetterauer Zeitung – Bürgerinitiative nun Verein gegen Rechts

Von 22 Mitgliedern ins Leben gerufen — Ziel: Demokratisches Miteinander fördern

(pm/dab). Von der Bürgerinitiative zum Verein: Am Montag ist in Gettenau der »Verein zur Förderung demkratischen Bewusstseins – Grätsche gegen Rechtsaußen« von 22 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen worden.Vorsitzende ist Olivia Bickerle, ihr Stellvertreter Manfred Linss. Das teilte der Verein jetzt per Pressemeldung mit.

Vorausgegangen war eine Bürgerinitiative gleichen Namens. Sie hatte sich im Herbst 2009 organisiert, »als sich rechtsextreme Übergriffe und Provokationen einer wetterauweit bekannten Neonazi-Gruppierung in Schnell ausbreiteten, so der Verein weiter »Diese rassistisch motivierten und gewalttätigen Tendenzen sind seitdem ständiges Thema in der Dorfgemeinsehaft Echzells, werden aber oft noch nicht als das gesehen, was sie sind, vor allem eine Gefahr für Kinder und Jugendliche, die wenig Alternativen haben, ihre Freizeit zu gestalten, und somit besonders gefährdet sind, in neonazistische Strukturen abzurutschen«, beschreibt der Verein den Hintergrund.»Grätsche gegen Rechtsaußen« wolle deshalb Bildungs- und Freizeitangebote schaffen, Aufklärungsarbeit leisten und den Dialog zwischen den Bürgern, aber auch zwischen den Wetterauer Gemeinden herstellen und fördern. »Nur gemeinsam, demokratisch und objektiv lässt sich ein tolerantes und bunt gemischtes Miteinander in der Wetterau gestalten.«

Am ‚Montag kamen auch zahlreiche Bürger aus den umliegenden Gemeinden nach Geltenau. Außerdem hatten die Bürgermeister der Nachbarkommunen Reichelsheim, Wölfersheim und Florstadt im Vorfeld ihre zukünftige Unterstützung bekundet. Echzells Bürgermeister Dieter Müller Stand bei der Vereinsgründung als Versammlungsleiter zur Verfügung.

Alle Gründungsmitglieder unterschrieben die zuvor abgesegnete Satzung des Vereins, dessen vorrangiges Ziel es sein soll, das demokratische Miteinander zu fördern. Der Fokus liege auf der Vernetzung der Wetterauer Bündnisse, Parlamente und Bürger, um die »sich verstärkenden rechtsextremen Tendenzen in der gesamten Wetteraus zu verhindern, heißt es weiter. Außerdem sei der Verein gemeinnützig und parteipolitisch unabhängig.

Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen, Vorsitzende Olivia Bickerle, VizeVorsitzender Manfred Linss (Gemeindevorstandsmitglied der Grünen), Kassenwart Kurt Bühl, Schriftführerin Sabrina Lausten Pressereferentin Elena Stoll, Kassenprüfer Martina Schubert und Peter Kruse. 

© Wetterauer Zeitung 06.10.2010

 

Einladung zur Gründungsversammlung des Vereins – Grätsche gegen Rechtsaußen

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins 


am Montag den 4. Oktober 2010 um 19:30 Uhr im „Stern“, in 61209 Echzell / Gettenau, Ringstraße 7

Tagesordnung:
1. Begrüßung Olivia Bickerle / Manfred Linss
2. Vorstellung der Satzung des Vereins Kurt Rühl
3. Wahl des Vereinsvorstandes
4. Festlegung weitere Funktionen und Aufgaben
5. Verschiedenes

Moderation und Leitung der Versammlung: Olivia Bickerle und Manfred Linss 
Schriftführer: Kurt Rühl
Während der Versammlung liegt eine Liste aus in der sich die „Gründungsmitglieder“ eintragen können.

NAZIS HABEN KEINEN ZUTRITT
Die VeranstalterInnen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die der rechten Szene zuzuordnen sind oder in der Vergangenheit durch rechte Äußerungen aufgefallen sind, den Zutritt zu verwehren (nach §6VersG). Des Weiteren ist das Filmen und Fotografieren ohne Genehmigung untersagt.

 

 

*Um die Pressemitteilung lesen und ausdrucken  zu können muss der Adobe Reader auf Ihrem System installiert sein.