Frankfurter Rundschau – Drohung oder Nötigung auf Facebook

Prozess gegen Rechtsextremist vertagt 

„Er müsse sich „nicht wundern, wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde“. So war es Mitte Februar zu lesen auf Facebook. Als Verfasser wurde der Rechtsextremist Patrick W. aus Echzell genannt. Adressat der Drohung: Andreas B., Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-BI). Neben seiner Adresse war der Hinweis gepostet: „Die Handynummer könnt ihr auch haben, um mal etwas Terror zu machen.“ B. erstattete Anzeige.

Die Ermittlungen seien noch am Laufen, sagte Polizei-Sprecher Jörg Reinemer der FR. „Es wird noch geprüft, ob diese Einträge tatsächlich von W. stammen.“ Außerdem müsse geklärt werden, „ob der Inhalt eine Drohung darstellt oder doch nur eine Nötigung“. Auch der Straftatbestand „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ käme in Betracht.

In einem anderen Fall hätte sich W. nächsten Dienstag vor dem Amtsgericht Büdingen verantworten müssen. Mit dem Auto soll er auf den Sohn einer Nachbarin losgefahren sein. Doch: „Der Termin ist aufgehoben“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Gießen der FR mit. „Eine neue Terminierung steht noch nicht fest.“ Weitere Verfahren wegen Körperverletzung und Volksverhetzung sind anhängig. Zudem trägt W. eine elektronische Fußfessel, weil Fahnder fast fünf Kilo Drogen bei ihm fanden.

© Frankfurter Rundschau 10.03.2012

Wetterauer Zeitung – »Grätsche gegen Rechtsaußen« fordert Aufklärung

»Eine Bombendrohung ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Bedrohung, die strafrechtliche Konsequenzen haben muss«, äußern sich die Mitglieder des Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen« zu einem Bericht in der gestrigen WZ, laut dem sich der Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative durch einen Kommentar im Internet bedroht fühlt. Urheber soll der sogenannte Schlitzer sein, der die Vorwürfe jedoch bestreitet. »Ich habe das nicht geschrieben«, sagte der polizeibekannte Rechtsextreme aus Echzell auf Anfrage. Auf einem Facebook-Account war Mitte Februar gepostet worden, der Antifa-BI-Referent werde sich »wundern wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. Geschrieben wurde das von einem Profil, das unter dem Namen »Patrick Paul Wolf« angemeldet ist.

Die »Grätsche gegen Rechtsaußen« erklärt in ihrer Pressemitteilung, sie zeige sich mit dem Antifa-BI-Vorsitzenden solidarisch und fordere »alle Demokraten, die zuständigen Behörden sowie die Politiker auf, dies ebenfalls zu tun.« Weiterhin fordere man Polizei und Staatsanwaltschaft auf, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Urheber der Bedrohung ausfindig zu machen.«

© Wetterauer Zeitung 09.03.2012

 

Wetterauer Zeitung – Bombendrohung gegen Antifa-BI-Vorsitzenden

Der Vorsitzende der Antifaschistischen Bildungsinitiative fühlt sich durch einen Kommentar im Internet bedroht. Urheber soll der »Schlitzer« sein. Der 25-Jährige bestreitet die Vorwürfe: »Ich habe das nicht geschrieben«, sagte der polizeibekannte Rechtsextreme aus Echzell der WZ.

Auf einem Facebook-Account war Mitte Februar gepostet worden, der Antifa-BI-Referent werde sich »wundern wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt weil ein wenig zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde«. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt, prüft aber auch, ob der Wortlaut überhaupt eine Bedrohung darstellt, sagte Sprecher Jörg Reinemer.

Im Internet wurde auch die Adresse des Mannes veröffentlicht, samt dem Hinweis: »Handy Nummer könnt ihr auch haben um etwas Terror zu machen.« Einen Tag zuvor hatte der Antifa-BI-Vorsitzende einen Vortrag an einer Berufsschule in Bad Nauheim gehalten. Dabei ging es auch um Patrick Wolf alias »Schlitzer« und seine »Old Brothers«. Einige Schüler hätten die Gruppe verteidigt, erinnert sich der Referent, hätten argumentiert, es sei alles gar nicht so schlimm, werde nur übertrieben dargestellt. Ähnlich ging es am darauffolgenden Tag auf einer Facebook-Seite weiter. Auf den Kommentar »Diese vollidioten keine ahnung von der materie« folgte die Drohung gegen den Referenten, geschrieben von einem Profil, das unter dem Namen »Patrick Paul Wolf« angemeldet ist.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte der 25-Jährige gestern: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass das von meinem Profil kam. Ich war das nicht.« Er habe den Post nicht einmal gelesen. Wer es stattdessen gewesen sein könnte, wisse er nicht. »Von mir haben viel zu viele Leute die Passwörter«, weil sein Rechner gehackt worden sei. Davon abgesehen, habe »sowieso jeder« die Adresse und Telefonnummer des Mannes.

Der Antifa-BI-Vorsitzende nimmt die Drohung ernst: »Weil es so viele Mitläufer gibt. Dass jemand auf dumme Gedanken kommen könnte, ist kein gutes Gefühl.« Er und seine Mitstreiter wollten ihre Vorträge nun verstärken. Sie seien eins der besten Mittel gegen Extremismus, denn »Bildung und Informationen helfen«. Gerüchte hingegen seien schwerer zu knacken, weil manche extremen Gruppierungen sektenähnliche Strukturen aufwiesen – »die Gegenargumentationen sind dann nicht mehr rational«. Einige könne man durch Vorträge inhaltlich überzeugen, »aber nicht alle«. Weil die Referenten altersmäßig nahe an den Schülern seien, könne man gut mit ihnen diskutieren. Das halte er auch für den »Grund für solche heftigen Reaktionen«, wie sie nun im Internet aufgetaucht sind. 

© Wetterauer Zeitung 07.03.2012

 

Sprengstoffdrohung auf Facebook gegen antifaschistischen Aktivisten aus Friedberg

Und wieder ist Patrick W. aus Echzell in den Schlagzeilen. Diesmal soll er, laut Frankfurter Rundschau, einen Referenten der Antifachistischen Bildungs-Initiative e.V. aus Friedberg mit einer Bombe unter dessen Fahrzeug gedroht haben. Das Ganze soll sich auf Facebook ereignet haben. Dort wurde außerdem ein Bild des Referenten sowie dessen Adresse und Handynummer veröffentlich, gefolgt von dem Aufruf, diesen einem „Telefonterror“ zu unterziehen.

Diese Vorkommnisse veranlassen uns zu folgendem Statement:

In Anbetracht der Terroranschläge durch die Zwickauer Zelle, die vielen Menschen den Tod, Familien großes Unglück und dem Staat in dem solche Vorkommnisse möglich sind, erheblichen Schaden, zugefügt hat, ist eine Bombendrohung kein „Kavaliersdelikt“. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Bedrohung, die strafrechtliche Konsequenzen haben muss.

Wir, die „Grätsche gegen Rechtsaussen e.V.“, erklären uns mit Andreas B. und dessen Arbeit im Wetteraukreis gegen Rechts, solidarisch und fordern alle Demokraten, die zuständigen Behörden sowie die Politiker auf, dies ebenfalls zu tun. Weiterhin fordern wir die Strafverfolgungsbehörden auf, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, den oder die Urheber der Bedrohung ausfindig zu machen und ihrer Strafe zuzuführen.

Gestern war es ein Nachbar, der sich nur über den Krach mitten in der Nacht beschweren wollte und verprügelt wurde, heute ist es Andreas B., der mit einer Bombe bedroht wird,weil er engagiert ohne Angst gegen Rechtsextremismus vorgeht, und morgen?

Die Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. setzt sich seit 2009 gegen die Ausweitung der rechtsextremen Tendenzen in Echzell und Umgebung und für eine gut aufgeklärte Jugend ein. Der Verein freut sich über tatkräftige Unterstützung und Spenden. Interessierte können sich unter presse@graetsche-gegen-rechtsaussen.info melden.

Pressekontakt: Sabrina Lauster 0178/ 232 63 62

Im Falle einer Veröffentlichung freuen wir uns über eine kurze Nachricht.

GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN e.V.

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins

Postfach 1102

61207 Echzell

 

 

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Frankfurter Rundschau – Sprengstoff und Terror

Antifa-BI-Vorsitzender auf Facebook bedroht

Er müsse sich „nicht wundern, wenn sein Auto mit ihm in die Luft fliegt, weil ein bisschen zu viel Sprengstoff unterm Auto deponiert wurde“. So war es zu lesen auf Facebook. Als Verfasser wird der Rechtsextreme Patrick W. aus Echzell genannt. Die Mitteilung wurde am Mittwoch auf der Seite eines anderen Facebook Teilnehmers gepostet. Ausdrucke der Seite liegen der FR vor. 

Der, der sich nicht wundern soll, ist Andreas B., Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa-BI) Wetterau. Außerdem wurde dessen Adresse veröffentlicht nebst dem Hinweis: „Die Handy-Nummer könnt ihr auch haben, um mal etwas Terror zu machen.“ Andreas B. hat Anzeige erstattet.

Die Wetterauer Polizei habe Ermittlungen wegen Bedrohung aufgenommen, bestätigt diese auf FR-Anfrage. „Wir müssen nun zunächst prüfen, ob diese Einträge tatsächlich auf Herrn W. zurückgehen und von welchem Computer aus sie erfolgt sind“, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Dies sei in Bezug auf Facebook allerdings nicht ganz einfach, Spezialisten seien eingeschaltet. Außerdem zu klären sei, ob der Inhalt einen Straftatbestand darstelle. 

Auf besagter Facebook-Seite erschien auch ein Foto, auf dem Andreas B. zu sehen ist, wie er einen Vortrag in der Berufsschule in Bad Nauheim hält. Das war am Dienstag. Die Themen: Codes und Zeichen der Rechtsextremen und deren Umtriebe in der Wetterau. Dabei ging es auch um Patrick W., der als Hauptfigur der „Old Brothers“ gilt und in seiner Hofreite nicht nur Tattoos und Piercings sticht, sondern in der Vergangenheit auch durch „Gaskammer-Partys“, T-Shirts mit rassistischen Aufdrucken, Nazi-Parolen grölende Gäste und sonstige Ausfälle aufgefallen ist. 

Und genau das wollten offenbar viele der etwa 40 Schüler, vor denen B. während einer Aktionswoche gegen Rassismus sprach, nicht wahrhaben.

Viele Schüler finden das alles gar nicht so schlimm

Mehr als die Hälfte, sagt B., hätten Patrick W., der aufgrund eines Verfahrens wegen des Verdachts auf Drogenhandel eine elektronische Fußfessel am Knöchel trägt, nach dem Vortrag verteidigt, nach dem Motto: „Das ist doch alles gar nicht so schlimm, das wird bloß übertrieben dargestellt.“

Andreas Stolz, Leiter der Berufsschule, die Mitglied des Bundesprojekts „Schule ohne Rassismus“ ist, bedauert die Vorkommnisse. Es sei bekannt, dass Schüler Kontakt zur Old-Brothers-Szene hätten, die die Jugend mit Partys, Alkohol und Drogen locke. „Da wollen und müssen wir gegensteuern, jetzt noch mehr.“  

 

© Frankfurter Rundschau 2012

Protest gegen NPD-Landesparteitag in Altenstadt

Am 24.3.2012 von 13.00-16.00 Uhr findet der Landesparteitag der NPD im Ortsteil Waldsiedlung der Gemeinde Altenstadt in der Philipp-Reis-Straße 7 statt. Es ist eine Gegenveranstaltung geplant an der sich verschiedene Initiativen und Organisationen der Region beteiligen.

Die „Grätsche gegen Rechtsaussen e.V.“ ruft alle Demokraten dazu auf, am 24.3. in Altenstadt, an der geplanten Gegenveranstaltung teilzunehmen. 

 

 +UPDATE+

  • Das Bündnis90/Die Grünen, Ortsverband Altenstadt, hat eine Gegenveranstaltung angemeldet und genehmigt bekommen. Sie findet zwischen 14.00 und 16.00 Uhr auf dem  Josef-Schulmeister-Platz statt. Der Platz liegt Herrnstr./Ecke Finkenweg, gut 100 m vom Dorfgemeinschaftshaus, in der Philipp-Reis-Str., entfernt.

  +UPDATE+

  • Die Antifaschistische Bildungsinitiative e.V. ruft zu ebenfalls zum Protest gegen die Veranstaltung der NPD auf: „Wir wollen rechtsextremen Ideologien in unserer Gesellschaft keinen Raum geben. Wir machen uns gemeinsam stark für Toleranz,Gleichberechtigung und Religionsfreiheit. Wir rufen alle demokratisch und antifaschistisch eingestellten Menschen zum friedlichen und entschlossenen Protest gegen die NPD am 24.03.2012 in Altenstadt auf. Die Wetterau – Kein Raum für Neonazis“

  +UPDATE+

  • Die Antifaschistische Bildungsinitiative e.V. hat in Altenstadt Flyer mit Hintergrundinformationen über die Ziele der rechtsextremen Partei flächendeckend verteilt. Die Aktion wurde von vielen Menschen begrüßt und teilweise auch spontan unterstützt. 

  +UPDATE+

  • Hier finden Sie den Flyer und die Anfahrtskizze zur Gegenveranstaltung des Bündniss90/Die Grünen in Altenstadt/Waldsiedlung.
      1. Download Flyer
      2. Download Anfahrtskizze

  +UPDATE+

  • Die Wetterauer Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl konnte als Rednerin für die Kundgebung am Samstag in Altenstadt gewonnen werden. 
  • Die VVN-BDA Hessen, der Echzeller Verein “Grätsche gegen Rechtsaußen”, die Linke Hessen, die SPD Düdelsheim, die Grünen Wetterau, die Jusos Wetterau und weitere Gruppen rufen auch zur Kundgebung auf und mobilisiert für diese.

  +UPDATE+

Klare Ansage gegen Neonazis in Altenstadt

Zitat:”Am 24. März beabsichtigt die NPD in Altenstadt einen Landesparteitag abzuhalten. Die NPD steht für Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus und Intoleranz. Dieses Gedankengut hat in Altenstadt keinen Platz! Es missachtet die Grundwerte unseres demokratischen Zusammenlebens in unserem Ort wie in der Gesellschaft insgesamt. Bei uns gibt es keinen Platz für die NPD und ihr menschenverachtendes Weltbild. Wir wollen die NPD nicht in Altenstadt haben, am 24. März nicht und zu keinem anderen Zeitpunkt.”

Unterzeichnet von: 

  • evangelische St. Nikolai-Kirchengemeinde Altenstadt
  • die evangelische Kirchengemeinde Höchst an der Nidder
  • die evangelische Martin-Luther-Gemeinde Waldsiedlung
  • die evangelischen Kirchengemeinden Lindheim, Enzheim, Heegheim, Rodenbach
  • die katholische St. Andreas-Gemeinde,
  • die Selbstständige Evangelische-Lusterische Kirche Höchst
  • der BUND Altenstadt
  • der Altenstädter Freundeskreis für Flüchtlinge
  • die OASE Altenstadt
  • der Unterstützerkreis der Familie Sogamanian,der NABU Altenstadt
  • die Natur- und Vogelschutzgruppe
  • die Musikschule Schaubach
  • der Golfplatz Altenstadt
  • der Tanz- und Kulturkreis Altenstadt
  • der Reitclub Altenstadt
  • die FSG Altenstadt
  • der SC Rot-Weiß Altenstadt
  • die Freiwilligenagentur Altenstadt-Aktiv sowie zalreiche Privatpersonen

Wetterauer Zeitung – Joachim Gauck ist ein Bürger wie jeder andere auch

Manfred Linss hat den wahrscheinlich neuen Bundespräsidenten bei der Gedenkveranstaltung für Opfer rechter Gewalt getroffen

Den bald ersten Mann im Staate kennt Manfred Linss persönlich: Der Vize-Vorsitzende des Vereins »Grätsche gegen Rechtsaußen« hat mit Joachim Gauck in Berlin bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt gesprochen. »Es stimmt: Deutschland bekommt einen Bürger zum Präsidenten«, schwärmt der Echzeller. Gauck habe eine sehr ausgeprägte Ausstrahlung und könne Mennschen in seinen Bann ziehen. »Der Mann strahlt so viel Autorität und Lebenserfahrung aus, dass er sogar Verwundbarkeiten zeigen kann.« 

Besonders freut Linss, dass Gauck die »Grätsche« schon gekannt habe, wohl über die evangelische Kirche, mit der auch der Echzeller Verein zusammenarbeitet. Einen Flyer habe er ihm trotzdem gegeben. »und ich bin sicher: Er schaut ihn auch an«, sagte Linss gestern der WZ.

Wie er an die Einladung – noch von Christian Wulff – gekommen ist, weiß Linss selber nicht genau. »Vielleicht, weil wir bei einem Wettbewerb des Bündnisses für Demokratie und Toleranz gewonnen haben.« Es seien bewusst zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für Demokratie einsetzen, nach Berlin eingeladen worden. »Bei denen hat sich Kanzlerin Angela Merkel in Ihrer Rede auch explizit bedankt«, erzählt Linss.

Urprünglich wollte Linss, der schon am Mittwochnachmittag in die Hauptstadt aufgebrochen war, den Kontakt zu Christian Wulff suchen. »Er finde es gut, wie er sich für die Verteidigung der Demokratie eingesetzt hat. Es gab vorher keinen Präsidenten, der derart aktiv ist.« Die Einladung nach Berlin galt nur für Linss, mitkommen durfte keiner seiner Mitstreiter. Das kann der Echzeller im Nachhinein auch verstehen:» Es war eine so große und abgeschirmte Veranstaltung. Wir mussten zwei Sicherheitszonen durchlaufen.« Dafür hatte er eine extra Einlasskarte erhalten. Die Grätsche-T-Shirts mussten draußen bleiben, weil Taschen nicht erlaubt waren. Nur die Flyer gab Linss nicht aus der Hand. Während der Gedenkfeier, die der Echzeller als sehr »würdevolle Veranstaltung« beschreibt, stand er oben auf den Rängen. Zwar weit vorne, aber doch so weit vom Geschehen entfernt, dass er Schausplielerin Iris Berben, die Texte rezitierte, nur an der Stimme erkannte.

Danach habe er, auf der Suche nach einem Fotomotiv rund ums Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Gauck entdeckt. »Auf diese Gelegenheit hatte ich gehofft, und dreist wie ich bin, bin ich nach der Schweigeminute hin. Mir war wichtig, nicht plump zu wirken und nicht aufdringlich zu sein.« Er habe Gauck auf dessen Aufforderung der Bürger angesprochen, Verantwortung für Freiheit und Demokratie zu übernehmen. »Ich habe gesagt: Ich bin einer von denen, die genau das tun.« Baff sei er gewesen, als Gauck erwiderte, er kenne die Grätsche. An den genauen Wortlaut kann Linss sich nicht erinnern, sinngemäß habe Gauck gesagt, er würdige, was Menschen in zivilgesellschaftlichen Orgenisationen für die Gesellschaft tun.

War er nervös? »Nein, das kam erst hinterher, obwohl ich ein emotionaler Mensch bin und ziemlich schnell aufgeregt«, sagt Linss. »Mein Gedanke in diesem Moment war nur: Wie kann Ich mit ihm in Kontakt treten in einer Art und Weise, die in Ordnung ist?« Viele Menschen hätten sich um Gauck gedrängt, wohl auch weil er noch nicht so gesichert gewesen sei wie später bestimmt als Bundespräsident.

»Gauck hat sich viel mit den Menschen dort unterhalten«, blickt Linss zurück. »Ich hatte auch bei der Gedenkfeier den Eindruck, er geht als normaler Bürger hin. In der ersten Reihe saß er meiner Meinung nach nur, weil er bei den Angehörigen sein wollte.«

Linss betont, es sei toll, dass der wahrscheinlich neue Bundespräsident nicht aus der Politik kommt. »Er soll ja schließlich auch die Bürger repräsentieren und nicht die Politik. Er hoffe, dass Gauck Einfluss nehmen werde auf die Politik. »Er wird bestimmt auch mal unbequem sein, aber das ist wichtig. Auch die Grätsche ist unbequem, Gauck rüge, immer mehr Menschen wollten nicht nachdenken und keine Verantwortung übernehmen. Das findet auch Linss. »Es kostet Mühe, sich Gedanken zu machen, aber mich treibt das Thema Demokratie an.« Er sei froh, »dass wir bald einen Präsidenten haben, dessen oberste Ziele Freiheit und Demokratie sind«. Denn nur, wenn das gewährleistet sei, könne das Zusammenleben auch funktionieren

© Wetterauer Zeitung 25.02.2012

 

Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremer Gewalt

Am 23. Februar 2012 nahm Manfred Linss, stellvertretend für die Grätsche gegen Rechtsaussen, an der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremer Gewalt in Berlin teil.

Beginn der Veranstaltung war um 10.30 Uhr. Zunächst zog eine Schülergruppe in das Konzerthaus am Gendarmenmarkt ein und stellte 10 Kerzen im Gedenken an die Ermordeten auf die Bühne. Eine elfte Kerze wurde stellvertretend für alle Opfer rechtsextremer Gewalt aufgestellt. Eine Zwölfte für Hoffnung und Zuversicht.

Nach dem Konzert für zwei Violinen eines Stücks von Johann Sebastian Bach (2. Satz: Largo ma non tanto) hielt die Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Ansprache mit der sie sich, im Namen der Bundesregierung, bei den Opfern, für die jahrelangen Verdächtigungen und die Untätigkeit der Behörden, entschuldigte. Sie versprach auch weiterhin soziales und demokratisches Engagement zu unterstützen und die Vereine und zivilgesellschaftliche Initiativen auch in Zukunft mit der Einladung zu Veranstaltungen zu würdigen.

Danach folgte ein Konzert mit Musik von Cemal Resit Rey (1. Satz: Andante). Die Schauspieler Iris Berben und Erol Sander rezitierten im Anschluß vier Gedichte von Ahmet Muhip Diranas, Erich Fried, Bertolt Brecht und Josef Reding.

Die bewegensten Momente der Veranstaltung folgten jedoch unmittelbar nach dem Gesang von Sharon Phillips, die „Imagine“ von John Lennon vortrug. Ismail Yozgat, der Vater eines der Opfer bat darum die Morde restlos aufzuklären und eine Strasse nach seinem Sohn zu benennen. Finanzielle Entschädigung wolle er nicht. Semiya Simsek und Gamze Kubasik, zwei Kinder der Opfer, schilderten ihre Erlebnisse, zum Teil aus der Sicht von Kindern. Die ständigen Verdächtigungen der Vater sei ein „Krimineller“ gewesen, die selbst vor der Mutter nicht halt machten waren zermürbend. Vielen Zuhörern gingen diese Reden sehr nahe. 

Manfred Linss hatte nach der Veranstaltung die Möglichkeit ein persönliches Gespräche mit dem designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck zu führen. „Ich war sehr überascht darüber, dass Joachim Gauck unser Verein ein Begriff ist.“ 

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Einladung des Bundespräsidenten Christian Wulff

{gallery width=100 height=150 alignment=left-float padding=2}aktivitaeten/pics/einladung_vs.jpg{/gallery}{gallery width=100 height=150 alignment=left-float padding=2}aktivitaeten/pics/einladung_rs.jpg{/gallery} Die Grätsche gegen Rechtsaussen wurde vom Bundespräsidenten Christian Wulff zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsradikaler Gewalt am 23. Februar 2012 nach Berlin eingeladen.

Über die Einladung, die in Anerkennung unseres Engagements gegen Rechts erfolgte, freuen wir uns sehr.

An der Veranstaltung nehmen unter anderen auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Präsident des Bundesrates und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts teil. Von der Grätsche gegen Rechtsaussen wird voraussichtlich ein Mitglied des Vorstandes teilnehmen.

 

 

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins