Taktischer Wechsel bei »Grätsche gegen Rechtsaußen«

Die Mitglieder der »Grätsche gegen Rechtsaußen« haben einen neuen Vorstand. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung wurde Manfred Linss als Vorsitzender gewählt.

Die bisherige Vorsitzende Olivia Bickerle wird Stellvertreterin. Frank Stulz ist Kassenwart, Michael Bruder Pressereferent. Die Kassenprüfer sind Ilona Christoph und Peter Bickerle. Martina Schubert bleibt Schriftführerin.

Neben einer erfreulichen Mitgliederentwicklung (15 neue Mitstreiter) beleuchtete man die Projekte des vergangenen Jahres. Sehr erfolgreich sei die Lesung und Filmvorführung des Buchs »Der Junge im gestreiften Pyjama« von John Boyne gewesen, für die der Verein Wulf Hein als Referenten gewinnen konnte. Das Festival »Gemeinsam gegen Rechtsaußen« habe gezeigt, wie viele Menschen sich über politische und religiöse Unterschiede hinweg für eine gemeinsame Sache solidarisieren können. Ein Dank an alle Helfer und Unterstützer schloss sich an.

»Ein wenig stolz sind wir schon«, sagte Bickerle während der Sitzung. Im Vorjahr habe der Verein mit »best2011« (Hessischer Jugendring) und »Aktiv 2011« (Bündnis für Demokratie und Toleranz) zwei Preise gewonnen, die »uns bestärken, mit unserer Arbeit weiterzumachen«.

Eine weitere Ehrung habe der Verein mit einer Einladung zur Gedenkveranstaltung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Berlin erhalten, bei der Manfred Linss Bundespräsident Joachim Gauck persönlich kennenlernen durfte.

In diesem Jahr will die »Grätsche« neben der Teilnahme am Echzeller Kirchplatzfest, wieder eine Lesung veranstalten. Außerdem gibt es am 30. September eine Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald, an der auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können. Weitere Projekte seien in Planung, aber zum Zeitpunkt der Versammlung noch nicht abschließend beschlossen.

»An Demo in Lollar teilnehmen«

Der Verein hat dazu aufgerufen, am Samstag an der Demonstration in Lollar teilzunehmen. Dort und in anderen Orten im Landkreis Gießen waren in jüngster Zeit immer wieder Nazi-Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen zu beklagen. Zudem tauche seit mehreren Jahren eine Clique junger Nazis aus dem Kreis Gießen und dem Vogelsberg bei diversen Veranstaltungen auf. »Es wird Zeit, auf die Nazis vor Ort aufmerksam zu machen. Wir fordern die Bewohner der Region dazu auf, sich den Nazis, aber auch dem alltäglichen Rassismus entgegenzustellen«, so der neue Vorsitzende Linss.

© Wetterauer Zeitung 10.04.2012  

Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. kickt gemeinsam mit SV 1920 Echzell e.V. für Toleranz und Demokratie

Großes Fußballturnier „Fußball für Demokratie und Toleranz“ am 14. April ab 10:00 Uhr auf dem Sportplatz in Langgöns

Wie bereits im letzten Jahr findet am 14. April ein Fußballturnier des Bündnisses für Toleranz und Demokratie in Kooperation mit der Jugendpflege der Gemeinde Langgöns statt. Dieses Jahr konnte die Grätsche gegen Rechtsaussen den SV 1920 Echzell als Partner für die Teilnahme an dieser Veranstaltung gewinnen.

„Wir stellen eine Mannschaft, die sich aus C-Jugend-Spielern des SV 1920 Echzell bildet“ so Manfred Linss, der erste Vorsitzende des Vereins Grätsche gegen Rechtsaussen. An einem, hoffentlich, schönen Tag werden die Mannschaften auf einem Kleinfeld das Turnier in Langgöns austragen. Die Mannschaftsstärke beträgt sechs Jugendliche. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls mit Grillwurst, Kaffee und Kuchen gesorgt sein.

„Wir freuen uns auf das Fußballturnier und sind dem SV 1920 Echzell für das Engagement der Mannschaftsmitglieder und Betreuer dankbar. Wir hoffen auf zahlreiche Fans die der Veranstaltung eine gebührende Kulisse bieten und auch hier ein Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen.“ 

Pressekontakt: Manfred Linss 0171/1960693

Im Falle einer Veröffentlichung freuen wir uns über eine kurze Nachricht.

GRÄTSCHE GEGEN RECHTSAUSSEN e.V.

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins

Postfach 1102

61207 Echzell

 

 

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„Das Problem heißt Rassismus. Antifaschistisch denken, handeln, leben.“

Aufruf zur Demonstration am 14.4.2012 in Lollar (bei Gießen), Bahnhof 11 Uhr 

Der Verein „Grätsche gegen Rechtsaussen e.V.“ unterstützt den Aufruf des Bündnisses gegen Rechts, Gießen und fordert alle Demokraten dazu auf, die Veranstaltung aktiv zu unterstützen und teilzunehmen! 

Aufruf: „Das Problem heißt Rassismus. Antifaschistisch denken, handeln, leben.“ 

Ende letzten und Anfang dieses Jahres tauchten im Kreis Gießen und Marburg Nazi-Schmierereien auf. In mehreren Orten rund um Allendorf / Lumda, Rabenau und Lollar sowie Ebsdorf und Weimar wurden Friedhöfe mit Naziparolen und -symbolen beschmiert und teilweise Gräber beschädigt. Bereits seit mehreren Jahren, sind in dieser Region immer wieder Naziaufkleber und -sprühereien zu sehen.

In Lollar kam es gleich zweimal zu solchen Schmierereien, sowohl auf dem jüdischen Friedhof in Odenhausen als auch an der ezidischen Gemeinde Hessen wurden Symbole mit NS-Bezug gesprüht.

Nach Meinung der Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. wird es Zeit, auf die Nazis vor Ort aufmerksam zu machen und wir fordern die Bewohner_innen der Region dazu auf sich den Nazis, aber auch dem alltäglichen Rassismus entgegenzustellen. Es ist für uns nicht weiter hinzunehmen, dass Nazis ohne jegliche Konsequenz uneingeschränkt ihr menschenverachtendes Weltbild nach außen tragen können. Seit mehreren Jahren taucht eine Clique junger Nazis aus dem Kreis Gießen und dem Vogelsberg bei diversen Veranstaltungen mit eindeutig neonazistischen T-Shirts auf, ob das Besuche in Jugendzentren oder auf der Kirmes waren, scheinbar ohne große Gegenwehr konnten die Nazis ihre menschenverachtende Ideologie nach außen tragen. Der erste Organisierungsversuch war ca. ab 2008 unter dem Namen „Division Mittelhessen“. Bis auf das Tragen von T-Shirts der „Kameradschaft“ wurden diese kaum aktiv, lediglich einmal tauchten Mitglieder 2008 auf einem NPD-Aufmarsch in Fulda auf, ein weiteres mal waren sie 2010 bei dem größten Naziaufmarsch Europas in Dresden zu sehen. 2010 gingen die Freien Nationalisten Lumdatal mit einer Homepage an die Öffentlichkeit, diese sind in etwa die Nazis der „Division Mittelhessen“, die aus dem Kreis Gießen kommen. Neben einem „Wandertag der deutschen Jugend“, verabredeten sie sich auch auf dem eigens geschaffenen „NationalVZ“ zu Stammtischen oder um auf Naziaufmärsche zu fahren. Es wurden eigene Aufkleber gedruckt und in Gießen und anliegenden Orten verklebt. Nach einer Outing-Aktion durch Antifaschist_innen bei dem Betreiber der Homepage der FN Lumdatal, wurde diese gelöscht.

Allerdings gibt es auch weitere neonazistische Tendenzen, so ist eine stetig wachsende Gruppe zu beobachten, die aus mehreren Black Metal-Hörer_innen besteht die ebenfalls mit eindeutigen Symbolen hantieren. So ist im Logo des in Gießen ansässigen Black-Metal-Labels „Supremacy Through Intolerance“ (übersetzt Überlegenheit durch Intoleranz), eine schwarze Sonne zu sehen, ein Symbol mit klarem Bezug. Entgegen mancher Behauptungen aus der rechten Szene, ist die schwarze Sonne kein historisches Symbol, sondern ein Kunstprodukt der SS. Auch diverse Bands, die auf T-Shirts und Aufnähern zu sehen sind, stehen für ein eindeutig rechtes Weltbild.

Es wäre aber zu einfach, das Problem nur einer Clique von Nazis zuzuschreiben. Denn Rassismus ist nicht nur ein Phänomen, was am Rechten Rand zu finden ist. Ausschließendes Verhalten und Äußerungen gegenüber vermeintlich Fremden, finden sich jeden Tag in unzähligen Situationen, auch in der so genannten Mitte der Gesellschaft. Deswegen reicht es unserer Meinung nach nicht, gegen Nazis zu demonstrieren, vielmehr sollte erkannt werden, dass das Problem Rassismus heißt und in jeder Form angegangen werden muss!

Für einen konsequenten Antifaschismus! 

Pressekontakt: Manfred Linss 0171/1960693

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Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. wählt neuen Vorstand

Viele neue Projekte zur Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus geplant


Am 30.03.2012 fand in Echzell die jährliche Mitgliederversammlung der Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. statt.

Neben einer erfreulichen Mitgliederentwicklung (15 neue Mitglieder) wurden die Projekte des vergangenen Jahres nochmals beleuchtet und analysiert. Sehr erfolgreich war die Lesung und Filmvorführung des Buches „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne für die der Verein Wulf Hein als Vorleser gewinnen konnte. Weiterhin wurde auch das Festival 2011 „Gemeinsam gegen Rechtsaussen“ besonders erwähnt, da es gezeigt hat, wie viele Menschen sich über politische und religiöse Unterschiede hinweg für eine gemeinsame Sache solidarisieren. Der Vorstand bedankte sich nochmals bei allen Mitglieder, Helfern und Unterstützern für die harmonische Zusammenarbeit vor, während und nach dem Festival.

„Ein wenig stolz sind wir schon“, so Olivia Bickerle während der Sitzung. In 2011 konnte der Verein mit „best2011“ (Hessischer Jugendring) und „Aktiv 2011“ (Bündnis für Demokratie und Toleranz) zwei Preise gewinnen, die „uns bestärken mit unserer Arbeit weiterzumachen“.

Eine weitere Ehrung erfuhr der Verein mit einer Einladung zur „Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremer Gewalt“ in Berlin bei der Manfred Linss unseren amtierenden Bundespräsidenten Joachim Gauck persönlich kennenlernen konnte.

Zu guter letzt gab der neue Vorstand noch eine Vorausschau auf das Jahr 2012. Neben dem Echzeller Kirchplatzfest, an dem der Verein, neben anderen Vereinen der Gemeinde, teilnimmt, wird es wieder eine Lesung geben. Außerdem findet am 30. September eine Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Buchenwald statt, an der auch Nicht-Mitglieder gegen einen geringen Unkostenbeitrag teilnehmen können. Weitere Projekte sind in Planung aber zum Zeitpunkt der Versammlung noch nicht abschließend beschlossen.

 

Pressekontakt: Manfred Linss 01711960693

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Homepage: www.graetsche-gegen-rechtsaussen.de
Email: presse@graetsche-gegen-rechtsaussen.info

Fußball für “Demokratie und Toleranz“

{gallery width=150 height=100 alignment=left-float padding=2}aktivitaeten/pics/fussballturnier.jpg{/gallery}Am Samstag, den 14.04.2012 findet auf dem Sportplatz von Langgöns ein Fussballturnier für „Toleranz und Demokratie“ statt, zu dem das Bündnis für Toleranz und Demokratie und die Jugendpflege der Gemeinde Langgöns eingeladen hat. Die Grätsche gegen Rechtsaussen e.V. kann in Zusammenarbeit mit dem SV 1920 Echzell e.V. ebenfalls eine Mannschaft stellen und somit an diesem Turnier teilnehmen. Es wird auf einem Kleinfeld gespielt wobei die Mannschaftsgröße auf sechs Personen und einem Ersatzspieler begrenzt ist.  
Es werden noch Mannschaften im Kreis Gießen, Lahn-Dill-Kreis und Wetteraukreis gesucht, die Lust haben einen schönen Tag mit Fußball, Grillwurst, Kuchen und bestimmt gutem Wetter zu verbringen.

Unser besonderer Dank gilt Peter Ulrich vom SV 1920 Echzell e.V. für die schnelle und unkomplizierte Hilfe beim Zusammenstellen einer Mannschaft. Überdies übernimmt Herr Ulrich die Betreung der Manschaft am Veranstaltungstag. 

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Email: jugend_langgoens@web.de und unter Tel.: 06403-7753539 

     

 


Frankfurter Rundschau – 250 Menschen demonstrieren in Altenstadt

Beim NPD-Landesparteitag wird Daniel Knebel zum neuen Landeschef gewählt. Hunderte Menschen demonstrieren gegen die NPD-Versammlung.

Etwa 250 Menschen haben am Samstagnachmittag in Altenstadt gegen den Landesparteitag der hessischen NPD demonstriert. Die rechtsextreme Partei hatte sich von 13 Uhr an das Gemeinschaftshaus in der Waldsiedlung reserviert, unter anderem, um einen neuen Landesvorsitzenden zu wählen.

Die vom Altenstädter Ortsverband der Grünen angemeldete Gegenkundgebung auf dem etwa 100 Meter entfernten Josef-Schulmeister-Platz war von 14 bis 16 Uhr genehmigt. Mehrere Initiativen, Verbände, Vereine und Parteien aus der Region hatten zur Teilnahme aufgerufen. Mit Redebeiträgen, Musik, Transparenten und Infoständen protestierten sie friedlich gegen das NPD-Treffen, bei dem der bisherige Hessen-Vize Daniel Knebel zum neuen Landeschef gewählt wurde. Laut Polizei waren etwa 80 NPD-Anhänger zum Parteitag gekommen. Dieser endete etwa gegen 16 Uhr, und es schloss sich eine als „öffentliche Saalveranstaltung der NPD zur Bürgermeisterwahl“ deklarierte Veranstaltung an.  

Denn der erst vor kurzem nach Altenstadt gezogene Daniel Knebel steht nun nicht nur dem NPD-Landesverband vor, er kandidiert in dem Wetterau-Ort auch für die Bürgermeisterwahl am 1. April. Unter anderem deswegen hat die Gemeinde der NPD das Gemeinschaftshaus nicht verweigert. Hätte sie das getan, hätte Knebel die für ihn ohnehin chancenlose Wahl anfechten können mit der Begründung, er sei im Wahlkampf behindert worden. Dies sei jedoch nicht der Hauptgrund, weshalb man nichts habe gegen das Treffen ausrichten können, sagt der Altenstädter Bürgermeister Norbert Syguda (SPD). „Als zugelassene Partei genießt die NPD nun mal das Recht auf Versammlungsfreiheit.“

Knebel werden Kontakte in die gewaltbereite Szene nachgesagt 

Entsprechend plädierten viele Redner auf der Gegendemonstration dafür, endlich das Verbotsverfahren gegen die NPD auf den Weg zu bringen. Es gehe nicht an, dass sie sich „unter dem Deckmantel der Demokratie öffentliche Gebäude sichert“, sagt der Grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Frömmrich. Und das, obwohl sie selbst eine menschenverachtende, undemokratische“ Partei von „Neo-Faschisten“ sei. „Dass sie sich hier treffen können und wir ihnen dafür auch noch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen müssen, ist unerträglich“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Ulrich Wilken von der Landtagsfraktion der Linken ärgert sich nicht nur darüber, „dass diese braune Brut wie selbstverständlich in unseren Häusern tagt“, sondern auch „über jeden Haushaltsbericht, in dem steht, wie viel Geld die Nazis bekommen“ sowie über die V-Leute und die vermeintlich „wichtigen Erkenntnisse“, die sie lieferten. „Wo waren denn diese wichtigen Erkenntnisse, als die NSU gemordet hat?“ 

Auch die Verbindungen der NPD in die militante Neonazi-Szene, zu den Freien Kameradschaften und den Autonomen Nationalisten, sowie Bezüge zu den rechten Terroristen und Mördern der NSU werden in den Redebeiträgen immer wieder angeprangert. Was besonders im Hinblick auf den neuen NPD-Chef bedeutsam ist. Dem 1984 geborenen Daniel Knebel werden enge Kontakte in die gewaltbereite Neonazi-Szene nachgesagt. Und er gibt diese sogar unumwunden vor Presse und Kamera zu, als er als frisch gewählter NPD-Landeschef gegen 15 Uhr aus dem Dorfgemeinschaftshaus tritt. „Ja, ich habe Kontakte zu Freien Nationalisten, und die möchte ich auch weiter halten.“ Aber das bedeute nicht, „dass ich auch militant bin“. Im Übrigen tue es ihm „nicht weh“, sich von den Morden der NSU zu distanzieren.

Eine knappe Stunde später endet der Parteitag, die NPDler singen das Deutschlandlied, alle drei Strophen. Und die Versammlung im Saal bekommt Zuwachs: Autos mit auswärtigen Kennzeichen mit Ziffern wie 1488 (die 14 steht im rechten Zahlencode für den aus 14 Wörtern bestehenden Kampfruf des amerikanischen Rechtsextremisten David Lane, die 88 steht für „Heil Hitler“) fahren vor, junge Männer mit kurzgeschorenem Haupt und tätowierten Gliedmaßen marschieren auf, auch ein paar nicht minder martialisch anmutende Frauen sind dabei. Schwer vorstellbar, dass sie gekommen sind, um sich über die Altenstädter Bürgermeisterwahl und den Kandidaten Daniel Knebel zu informieren. Zumal, da die „öffentliche Saalveranstaltung“ fünf Euro kosten soll.

Tatsächlich dürften die ab etwa 16 Uhr eintreffenden Rechtsextremen eher wegen des Liedermachers angereist sein, der das braune Publikum mit entsprechender Musik beglückt. Auch die Polizei geht zu diesem Zeitpunkt längst von einem Konzert aus, gegen das allerdings nicht viel zu machen sei, sagt Sprecher Jörg Reinemer. Biertrinken und Musikhören im Anschluss an eine Parteiveranstaltung sei schließlich nicht verboten. Das gelte nun mal auch für die NPD. Und die hat das Gebäude der Gemeinde Altenstadt für die ganze Nacht gemietet.

Weiße Rosen gegen braune Gewalt 

Auf dem 100 Meter entfernten Josef-Schulmeister-Platz hingegen löst sich die Gegendemonstration wie vereinbart um 16 Uhr auf. Es mache ihn allerdings „stinksauer, dass die NPD ihre Veranstaltung durchziehen kann und dann auch noch ein Rechtsrock-Konzert dranhängt“, sagt Andreas Balser, Vorsitzender der Antifaschistischen Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI), die die Kundgebung mitorganisiert und unter anderem „weiße Rosen gegen braune Gewalt“ verteilt hat. Mit tausenden Flyern hat sie versucht, Menschen zum Protest zu bewegen. Dass dem Aufruf dann nur etwa 250 gefolgt seien – die Polizei spricht sogar nur von 150 – sei schade, aber man sei dennoch zufrieden, „weil es immerhin gelungen ist, viele verschiedene Gruppen zu mobilisieren, vom Christ bis zum Punk“. So sieht es auch Karl Ventulett vom Altenstädter Ortsverband der Grünen, der die Demo angemeldet hat. „Wir haben der NPD ein breites Spektrum an Gegnern präsentiert und wir haben friedlich gegen diese Kerle demonstriert.“ 

Nichtsdestotrotz bleibt eine gewisse Enttäuschung über die eher geringe Teilnehmerzahl. „Eigentlich hatten wir mal vor, die Versammlung der NPD zu blockieren“, sagt Hans Christoph Stoodt von der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt, die mit etwa zehn Mitgliedern nach Altenstadt gekommen ist. Doch für Blockaden seien einfach zu wenige da. „Das ist heute einfach ein ungünstiger Termin, verweist Stoodt auf die große Anti-Fluglärm-Demo in Frankfurt sowie auf ein Vorbereitungstreffen für die Anti-Kapitalismus-Demo am 31. März soll. „Alles, was links ist, ist heute irgendwie in Frankfurt unterwegs.“

Zumindest die Polizei ist zufrieden mit dem Verlauf der Gegenkundgebung. Den „mehreren Dutzend“ Einsatzkräften sei es gelungen, „einen friedlichen und störungsfreien Ablauf zu gewährleisten“, teilte Sprecher Jörg Reinemer mit. Die Besucher der NPD-Veranstaltung seien kontrolliert worden, in zwei Autos habe man CDs mit Musik sichergestellt, die nun auf möglicherweise strafrechtlich relevante Inhalte zu überprüfen seien. In einem dritten Auto sei außerdem ein Messer gefunden worden.  

© Frankfurter Rundschau 26.03.2012

 

Wetterauer Zeitung – Polizei: 150 Menschen protestieren friedlich gegen NPD

Altenstadt (dpa/dab). Rund 150 Menschen haben am Samstag in der Waldsiedlung gegen den Landesparteitag der rechtsextremen NPD demonstriert. Quer durch alle demokratischen Parteien seien Menschen vertreten gewesen, sagte Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative.

»Vom Jugendlichen bis zum Rentner.« Es habe Redebeiträge gegeben, eine Resolution gegen Neonazis sei verlesen worden. »Die Stimmung ist friedlich und sonnig«, sagte Balser.

Auch Landtagsabgeordnete nahmen an der Kundgebung teil. Die Rechtsextremismus-Beauftragte der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Gnadl, sprach sich für ein NPD-Verbot aus. »Die dumpfe, menschenverachtende und verfassungsfeindliche Ideologie der NPD muss unsere Demokratie nicht ertragen«, sagte sie bei den Protesten. Die Kundgebung hatten die Altenstädter Grünen angemeldet.

 Während nach Angaben der Polizei die etwa 150 Menschen friedlich demonstrierten, waren zur Veranstaltung der NPD, bei der Daniel Knebel zum neuen Landesvorsitzenden gewählt wurde, etwa 80 Personen gekommen. Nennenswerte Vorkommnisse habe es keine gegeben, so Polizeisprecher Jörg Reinemer.  

© Wetterauer Zeitung 25.03.2012

 

 

Frankfurter Neue Presse – Protest gegen NPD-Parteitag in Altenstadt

Altenstadt. Rund 250 Menschen haben am Samstag in Altenstadt im Wetteraukreis gegen einen Landesparteitag der rechtsextremen NPD demonstriert.

Demonstration gegen Rechts
Quer durch alle demokratischen Parteien seien Menschen vertreten gewesen, sagte Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative. «Vom Jugendlichen bis zum Rentner.» Es habe Redebeiträge gegeben, eine Resolution gegen Neonazis sei verlesen worden. «Die Stimmung ist friedlich und sonnig», sagte Balser. 

Resolution verlesen
Auch Landtagsabgeordnete nahmen an der Kundgebung teil. Die Rechtsextremismus-Beauftragte der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Gnadl, sprach sich für ein NPD-Verbot aus.«Die dumpfe, menschenverachtende und verfassungsfeindliche Ideologie der NPD muss unsere Demokratie nicht ertragen», sagte sie bei den Protesten. 
Der Verein «Grätsche gegen Rechtsaussen e.V.» hatte zu der Veranstaltung aufgerufen. Er wolle den Funktionären der NPD zeigen, «dass es in der Wetterau keinen Platz für Rechtsextremismus gibt».

© Frankfurter Neue Presse 24.03.2012

 

 

Wetterauer Zeitung – »Bunt statt braun«: Viele rufen zu Teilnahme an Kundgebung auf

Alle Fraktionen in der Altenstädter Gemeindevertretung haben am Donnerstag bei ihrer Sitzung eine gemeinsame Erklärung zu dem für heute geplanten Landesparteitag der NPD in der Waldsiedlung beschlossen. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Jürgen Seitz, las die Resolution unter dem Motto »Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt« vor: »Die NPD ist in Altenstadt nicht willkommen, weder zum Landesparteitag am 24. März noch zu einem anderen Anlass. Wir alle sind aufgerufen, frühzeitig demokratiefeindliche Tendenzen und Gewaltbereitschaft wahrzunehmen und ihnen entgegenzuwirken. Dieses Gedankengut muss in unserer Gesellschaft chancenlos bleiben.« Die Gemeinde, so Bürgermeister Norbert Syguda, habe rechtlich keine Handhabe, der NPD den vorgesehenen Veranstaltungsort zu verweigern. Deshalb wollten die Gemeindevertreter wenigstens über alle Fraktionsgrenzen hinweg Stellung beziehen. 

Die Altenstädter Grünen organisieren für den heutigen Samstag von 14 bis 16 Uhr eine Kundgebung auf dem Josef-Schulmeister-Platz. Zur Teilnahme rufen viele Gruppen, Vereine und Parteien auf, so auch die Wetterauer Jusos. »Rechtsextremismus darf in unserer Gesellschaft keinen Raum finden. Wir können nicht zulassen, dass die NPD sich im Wetteraukreis mit ihrer menschenverachtenden Ideologie noch stärker verankert«, erklärt die Juso-Vorsitzende Elisa Scaramuzza. 

Auch der DGB-Kreisverband unterstützt den Protest. »Es ist unerträglich, dass in Zeiten der NSU-Morde diese Partei im öffentlichen Raum für eine menschenverachtende Gesinnung werben darf, wo doch bekannt ist, dass ihre Mitglieder mit den Morden der letzten Jahre in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen«, schreibt der DGB-Kreisvorsitzende Bernd Benölken. Die Mitglieder des Echzeller Vereins Grätsche gegen Rechtsaußen wollen ebenfalls an der Gegenveranstaltung teilnehmen. »Da sich diese Veranstaltung scheinbar nicht mehr mit einem Verbot durch die beteiligten Behörden verhindern lässt, rufen wir alle Demokraten dazu auf, den Funktionären der NPD, aber auch den Medien und Anwohnern zu zeigen, dass es in der Wetterau keinen Platz für Rechtsextremismus gibt«, sagt Vize-Vorsitzender Manfred Linss. Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) hat nach eigenen Angaben seit Montag 3000 Flyer verteilt. Man begrüße die klare Resolution der Altenstädter Parteien. Besonders erfreulich sei es dass sich über 20 Vereine und Kirchen sowien viele Privatpersonen gegen die Umtriebe der Neonazis ausgesprochen hätte

© Wetterauer Zeitung 24.03.2012

 

 

FAZ – Altenstadt will Zeichen gegen rechte Szene setzen

In dem Ort soll es am Samstag eine Veranstaltung der hessischen NPD geben. „Klar ist, die NPD ist hier nicht willkommen“, erklärte Altenstadts Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) am Freitag die Gegenaktion. Mit der Kundgebung will sich die 12.000-Einwohner-Gemeinde für mehr Toleranz stark machen.

Altenstadt steht dabei nicht alleine da. Die Wetterau gilt als ein Schwerpunkt der rechten Szene in Hessen – was die Region nicht hinnehmen will. So ruft unter anderem der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ aus dem nahen Echzell zur Teilnahme an der Protestaktion auf. Auch die „Antifaschistische Bildungsinitiative“ – ebenfalls aus der Wetterau – hofft auf einen „breiten, entschlossenen und friedlichen Protest“.

Folgt ein neuer Anlauf für das NPD-Verbot?
„Die Region hält absolut zusammen“, betonte Syguda, der bei der Bürgermeisterwahl in einer Woche wiedergewählt werden will. Er tritt gegen zwei Herausforderer an, einer kandidiert für die NPD. Nach Worte des Rathauschefs stehen die Altenständer gemeinsam gegen die ungebetenen Gäste ein. Alle Fraktionen der Gemeinde hätten eine gemeinsame Erklärung gegen Rechts abgegeben.

Das NPD-Treffen habe er als Rathauschef nicht verhindern können, sagte Syguda. „Es geht nicht, dass man ein Versammlungsrecht verweigert, die NPD ist noch eine erlaubte Partei.“ Zudem wären rechtliche Schritte dagegen nicht durchsetzbar gewesen. Er hoffe aber, dass die Zusammenkunft ein einmaliger Vorgang in Altenstadt bleibt.

Die Innenminister haben der NPD mittlerweile den Kampf angesagt. Neun Jahre nach dem Scheitern des NPD-Verbots wollen sie wieder systematisch Beweise gegen die rechtsextreme Partei sammeln. Ob ein neuer Anlauf für ein Verbot der NPD kommt, ist aber weiter offen. 

© Frankfurter Allgemeine Zeitung 23.03.2012

 

 

Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins