Wetterauer Zeitung – Patrick »Schlitzer« Wolf eine Chronik

Patrick Wolf bleibt hinter Gittern. Nach dem Urteil gegen den »Schlitzer« (sechs Jahre und drei Monate) hofft die Wetterau auf ein Ende der unruhigen Zeiten. Der 27-jährige Neonazi war Ende 2007 in seine Heimat zurückgekehrt, der Ärger mit ihm begann Anfang 2009.

Eine Chronik:

  • November 2007: der gebürtige Florstädter zieht vom südhessischen Eppertshausen in die Wiesengasse nach Gettenau
  • Oktober 2008: Wolf eröffnet das Tattoostudio »Old Brothers Inc.« in Wölfersheim
  • März 2009: es gibt Ärger, weil Wolf auf der Internetseite seines Ladens für einen Onlineshop wirbt, der T-Shirts mit rechtsradikalem Aufdruck vertreibt; ihm wird der Mietvertrag gekündigt
  • April 2009: die Antifa-BI weist darauf hin, dass Wolf auch eine Sicherheitsfirma betreibt, ihre Befürchtung: die Türsteher kennen durch die Ausweiskontrolle die Namen und Adressen von Partygästen aus dem anderen politischen Lager; der Veranstalter kündigt an, die Security zu wechseln
  • Wolf ist ein umtriebiger Geschäftsmann: von einem Inkassobüro und einer Firma, die Beschriftungen für Autos druckt, ist die Rede, von einem Taxiunternehmen, einem Kfz-Handel und einer Autowerkstatt sowie einem Versandhandel mit Textilien
  • Juni 2009: Wolf wird wegen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt
  • August 2009: über die Internetplattform »wer kennt wen« wirbt Wolf für die Neueröffnung des Tattoostudios in seiner Hofreite in Gettenau
  • Herbst 2009: es gibt erste Hinweise ans Echzeller Ordnungsamt, Nachbarn beschweren sich über Lärm: Hunde bellen, es wird an Autos geschraubt, Parties steigen
  • Oktober 2009: Wolf greift einen Nachbarn an, der sich über die laute Feier beschwert hatte; für die Schläge und Tritte kassiert Wolf im September 2010 eine siebenmonatige Freiheitsstrafe (zur Bewährung) wegen gefährlicher Körperverletzung
  • Ende 2009: Wolf lädt via Internet zu »Gangbang«-Parties (zu Deutsch: Gruppensex) in die Wiesengasse ein
  • Januar 2010: nach dem Überfall auf den Nachbarn im Oktober gründet sich die Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen«
  • Februar 2010: die Grätsche veranstaltet einen Infoabend zum Thema Rechtsextremismus, Motto: »Wölfe im Schafspelz«, Wolf wird der Zutritt verwehrt, er beschwert sich in der WZ: »Da wird öffentlich und klar Hetze gegen mich betrieben, die weder Hand noch Fuß hat, und Schwindel erzählt, den ich angeblich treiben soll.«
  • April 2010: das Ordnungsamt löst eine Veranstaltung auf Wolfs Hofreite auf; weil er übers Internet eingeladen hat und die Feier somit nicht privat, sondern öffentlich ist, wird ihm ein Verstoß gegen Gewerbeordnung und Gaststättengesetz vorgeworfen
  • April 2010: die Gemeinde Echzell, der Wetteraukreis, die Polizei und die Grätsche gründen ein Ämternetzwerk
  • Mai 2010: ein Nachbar wird von Wolfs Partygästen von der Leiter gezogen, weil er die Kamera an Wolfs Haus wegdrehen will; Wolf stellt das Video von dem Übergriff ins Internet; der Fall beschäftigt später auch das Regierungspräsidium, weil es verboten ist, den öffentlichen Raum zu überwachen
  • Juni 2010: die Echzeller Gemeindevertretung verabschiedet eine Resolution gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
  • Mitte 2010: Wolf versucht offenbar, über einen Strohmann ein Bordell und einen Swingerclub in der Mühlgasse zu errichten; Ordnungsamt und Kreis schreiten ein: für einen gewerblichen Betrieb wäre eine baurechtliche Nutzungsänderung nötig
  • Sommer 2010: es gibt vermehrt Beschwerden der Nachbarn wegen Ruhestörung
  • Juli 2010: auf der 90-Jahr-Feier des SV Reichelsheim wird ein Kraftfahrer türkischer Herkunft von Wolfs Clique, den »Old Brothers«, zusammengeschlagen
  • Juli 2010: auf Wolfs Grundstück werden sieben gefährliche Hunde sichergestellt, für die Wolf weder Steuern zahlt noch eine Halterzulassung besitzt; die Tiernamen weisen auf ein rechtsextremes Milieu hin: sie stammen aus der keltischen Mythologie
  • August 2010: Wolf muss die Veranstaltung »Old Summer Special« nach Staden verlegen, weil das Echzeller Ordnungsamt sie untersagt hat; die Feier findet unter Polizeibeobachtung statt
  • August 2010: die Grätsche organisiert das »1. Echzell Festival – Gemeinsam gegen Rechtsaußen«; Fräulein Wunder tritt auf
  • Oktober 2010: Florstadt tritt der Grätsche bei, Reichelsheim im November, Wölfersheim und Echzell folgen im Januar 2011
  • Oktober 2010: die Grätsche wird ein Verein
  • Oktober 2010: das Ordnungsamt untersagt Wolf die Fortsetzung der Feiern in Echzell
  • Ende 2010: Echzell und Florstadt beantragen den Lokalen Aktionsplan Mittlere Wetterau, weil ordnungsrechtliche Mittel aus ihrer Sicht nicht mehr ausreichen; auch Reichelsheim und Wölfersheim machen mit
  • Januar 2011: wegen der »Gaskammerparties« wird Wolfs Anwesen durchsucht; der Vorwurf: Volksverhetzung
  • Februar 2011: Wolf eröffnet, trotz Proteste, ein Tattoostudio in Düdelsheim
  • April 2011: Hausdurchsuchung; Wolf soll gegen das Waffengesetz verstoßen haben
  • Mai 2011: der Lokale Aktionsplan ist bewilligt, er läuft erst einmal bis Ende 2013
  • Mai 2011: Unbekannte schießen mit einer Luftdruckpistole auf eine Fensterscheibe in Wolfs Nachbarschaft
  • 7. Juli 2011: Wolf wird verhaftet; die Polizei ertappt ihn nach einer Drogenfahrt auf frischer Tat; er hat 4,5 Kilogramm Amphetamin und 600 Gramm Marihuana bei sich
  • Juli 2011: zwei Wochen nach der Verhaftung wird die Hofreite wieder durchsucht
  • August 2011: Echzell rockt gegen Rechts
  • November 2011: der Haftbefehl gegen Wolf wird gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt; Wolf muss eine Fußfessel tragen
  • Februar 2012: im Netz taucht eine Bombendrohung gegen den Antifa-BI-Vorsitzenden auf, gepostet von einem »Patrick Paul Wolf«; Wolf sagt: »Ich war das nicht.«
  • März 2012: die beiden Bewährungsstrafen gegen Wolf aus den Jahren 2009 und 2010 werden im Hinblick aufs Betäubungsmittel-Verfahren widerrufen, er muss in Haft
  • 17. August 2012: der Prozess am Landgericht Gießen beginnt; die Vorwürfe: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Volksverhetzung, Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz, Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Beleidigung, Verletzung des Kunsturheberrechts
  • Oktober 2012: Wolfs Hofreite, das »Old-Brothers-Castle«, soll zwangsversteigert werden, doch niemand gibt ein Gebot ab; ein neuer Termin soll anberaumt werden
  • 3. Dezember: Wolf wird wegen Drogenhandels, Volksverhetzung, Verstößen gegen das Waffengesetz und Beleidigung zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt
     

© Wetterauer Zeitung  5.12.2012

 

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