Echzell Schüsse aus Luftdruckwaffe / Aufklärungsprogramm startet im Sommer
Von Bruno Rieb
Die Anwohner der Wiesengasse in Echzell-Gettenau kommen nicht zur Ruhe, seit sich der rechtsextreme „Schlitzer“ mit seinen „Old Brothers“ dort niedergelassen hat. In der Nacht zu Sonntag wurde das Haus eines Nachbarn beschossen, der sich gegen die Rechtsextremen engagiert. Es sei „zweimal mit einer Luftdruck-waffe auf eine Fensterscheibe geschossen“ worden, berichtet Polizeisprecher Jörg Reinemer. Politischen Hintergrund für die Tat sieht die Polizei bislang keinen.
Eine Anwohnerin, die sich gegen die Rechtsextremen in der Straße engagiert, berichtet, dass der „Schlitzer“ versucht habe , mit seinem Auto ihren Sohn zu überfahren.
Die Antifaschistische Bildungs-initiative Wetterau (Antifa-BI) sieht in dem Vorgehen der Rechtsextremen eine „psychologische Kriegsführung“. „Viele Leute lassen sich von dem braunen Terror einschüchtern, da sie nicht über eine Drohkulisse wie die Neonazis verfügen und sich an die geltenden Gesetze halten und auf den Rechtsstaat hoffen“, sagt Andreas Baiser von der Antifa-BI.
Sorgen bereitet den Wiesengassen-Anwohnern eine Party, die die Rechtsextremen am kommenden Samstag, 21. Mai, im nahen Florstädter Stadtteil Mockstadt feiern wollen, „Old Brothers Summer Start Up“ genannt. „Bierwagen, Zelte und Sitzmöglichkeiten sind wie immer reichlich vorhanden“, werben die Rechtsextremen. Beim Feiern wollen sie nicht fotografiert werden: „Wir bitten nochmals darum, während unserer Partys keinerlei Lichtbilder zu machen“. Die Polizei wisse von der Veranstaltung und habe ein Auge darauf, sagt Reinemer.
Einen Erfolg kann der Verein „Grätsche gegen Rechtsaußen“ vermelden, der sich in Echzell gegen die Rechtsextremen formiert hat. 270 000 Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ fließen nach Echzell und umliegende Gemeinden, berichtet Grätsche-Vorsitzende Olivia Bickerle.
Für das drei Jahre währende Förderprogramm können sich Vereine mit ihren Projekten bewerben. Das Themenspektrum kann breitgefächert sein, von der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Symbolen bis zur Integration, sagt Bickerle.
Am 6. August soll es wieder ein Festival gegen Rechtsaußen in Echzell geben. Vor einem Jahr hatte die Grätsche damit ein beeindruckendes Zeichen gegen die rechtsextremen Umtriebe gesetzt. Viele örtliche Vereine hatten sich beteiligt und rund 900 Besucher waren damals gekommen.
© Frankfurter Rundschau 2011