Hausdurchsuchung in Echzell wegen des Verdachts der Volksverhetzung — Rund zehn Polizisten im Einsatz
(chh). Gestern Morgen haben Polizeibeamte im Auftrag der Staatsanwalt ein Haus in Gettenau durchsucht. »Wir ermitteln wegen einer möglichen Tathandlung der Volksverhetzung«, teilte Ute Sehlbach-Schellenberg, die Pressesprecherin der Gießener Staatsanwaltschaft, auf WZ-Anfrage mit.
Hintergrund seien sogenannte »Kammerpar-tys«, die der 25-jährige Hausbewohner aus der Wiesengasse veranstaltet haben soll. An einer Tür stand laut Staatsanwaltschaft das Wort »Brausebad«. »Dieses Wort hat auch an den Gaskammertüren in Konzentrationslagern gestanden«, erklärte Sehlbach-Schellenberg. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau seien bei den Partys Duschköpfe an den Wänden montiert gewesen, aus denen weißer Nebel strömte. »Da drängt. es sich natürlich auf, wegen Volksverhetzung zu ermitteln«, sagte Sehlbach-Schellenberg.
Der Beschuldigte ist in der Wetterau kein Unbekannter. Er wird von der Polizei der rechtsextremen Szene zugeordnet, auch wenn er einst gegenüber der WZ betonte: »Ich habe keine Rechten um mich herum und will von denen auch nichts hören.«
Als der Beschuldigte noch in Wölfersheim wohnte, soll er in seinem Tätowierstudio jedoch rechtsradikale und gewaltverherrlichende T-Shirts verkauft haben. Nach dem Umzug nach Echzell hatten Partygäste des 25-Jährigen im Oktober 2009 einen Familienvater geschlagen und getreten, weil der sich über den Lärm beschwert hatte. Der Neu-Echzeller wurde daraufhin wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Aufmerksamkeit lenkte er auch im Juli 2010 auf sich, als er ein Video ins Internet stellte, auf dem zu sehen war, wie eine Gruppe vermeintlicher Rechtsextremer den Nachbarn des 25-Jährigen von einer Leiter zerrt. Das spätere Opfer wollte eine Kamera wegdrehen, die auf sein Haus gerichtet war. Verletzt und ohne Hose war der Mann in sein Haus geflüchtet.
Ob die Polizei bei der gestrigen Hausdurchsuchung etwas gefunden hat, und wenn ja, was, wollte Sehlbach-Schellenberg nicht sagen. Laut Jörg Reinemer, Pressesprecher der Fried-berger Polizei, waren rund zehn Polizisten bei der Zwei-Stunden-Aktion im Einsatz.
Die Vorfälle in der Wiesengasse haben auch dazu geführt, dass sich in Echzell der Verein »Grätsche gegen Rechtsaußen« gegründet hat, dem inzwischen neben Echzell auch Reichelsheim und Florstadt – hier kommt der 25-Jährige ursprünglich her – beigetreten sind. »Niemand hat etwas dagegen, wenn Jugendliche Partys feiern, von mir aus auch die ganze Nacht lang’«, sagte Florstadts Bürgermeister Herbert Unger schon im September vergangenen Jahres. »Aber wenn auf den Partys des Herrn aus der Wiesengasse Nebel aus Duschköpfen strömt, wie es vorgekommen sein soll, dann ist das nicht nur schlechter Geschmack. So etwas ist kriminell.« Den Verdacht hat auch die Staatsanwaltschaft.
© Wetterauer Zeitung 14.01.2011